Kongenial

Pécou: Until the Lions STRASBOURG | OPÉRA NATIONAL DU RHIN

Opernwelt - Logo

Zur Eröffnung der Spielzeit wartet das Haus in der elsässischen Kapitale mit einer Uraufführung auf, in der sich Musik-, Tanz- und Sprechtheater verbinden. Der schon für das Straßburger Arsmondo-Festival 2020 vorgesehenen Premiere hatte damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt erweist sich das Werk als Wurf.

Allein die Auswahl bühnentauglicher Episoden aus der riesigen Stoffmasse des indischen Mahabharata imponiert.

Die auf dem Subkontinent geborene französische Poetin und Tanztheater-Produzentin Karthika Naïr hat aus dem gewaltigen Epos einen Prolog und drei Akte destilliert; Komponist Thierry Pécou handelt sie in 90 Minuten musikalisch atemraubend ab. Zentrale Figur ist Prinzessin Amba, deren königlicher Vater ihr und den beiden Schwestern die freie Wahl der Bräutigame erlaubt. Erbost darüber, dass ihre heiratswilligen Sprösslinge nicht zur Kandidatur geladen werden, schickt die Herrscherin eines Nachbarreiches ihren von der Erbfolge ausgeschlossenen, durch ein Keuschheitsgelübde gebundenen Sohn aus, um die Prinzessinnen zu entführen, deren Vater zu töten und sein Reich zu vernichten. Amba fordert als Wiedergutmachung für die erlittene Schmach die Ehe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Michael Kaminski

Weitere Beiträge
Nur «Frozen» ist unpolitischer

Man kämpft sich, vom Bahnhof Friedrichstraße kommend, durch die Masse von Demonstrierenden, die Freiheit und Selbstentfaltung der Frauen im Iran fordern, und denkt sich: «In der Komischen Oper gibt es gleich Nonos ‹Intolleranza›. Da geht es auch um das, was Menschen anderen Menschen antun können!» Und man ertappt sich dabei, die eigene Lebenswelt im zufälligen here...

C’est l’amour!

Im April 1883 wurde «Lakmé» in der Opéra Comique aus der Taufe gehoben. Mit seitdem über 1600 Aufführungen an der «kleinen» Pariser Musikbühne zählt Léo Delibes Dreiakter zu den meistgespielten «hauseigenen» Werken der geschichtsträchtigen Institution, nach «Carmen», «Manon», «Mignon» und «La Dame blanche» (aber vor «Werther», «Les contes d’Hoffmann» und «Pelléas...

Farb- und leblos

Würde diese Oper nur wenige Minuten dauern, sie wäre ein Meisterwerk. Denn während dieser Zeit hört man den Chor der Geister, von links und rechts, respektive vorne und hinten (das Publikum sitzt verteilt auf einem Tribünen-L). Man hört ein Flüstern und Raunen, genau geführt, genau notiert, das klingt, als spräche, sänge der Wind, als wehten Worte durch den Raum,...