Klingende Fantastik
Alberto Ginastera, der international prominenteste Komponist Argentiniens im vergangenen Jahrhundert, war zu vielseitig, um als vermeintlich «typischer» südamerikanischer Tonsetzer mit dem klischeegerechten Aroma des rhythmisch-folkloristisch inspirierten Temperamentsmusikers wahrgenommen werden zu können. Dieser Façon entspricht am ehesten seine frühe Klaviermusik, von der auch Martha Argerich einiges vermittelte). Mehrfach ins Räderwerk der autoritären Politsysteme seines Landes geraten, ein dezidierter Anti-Peronist, sah sich Ginastera wiederholt zum Verlassen Argentiniens gezwungen.
Die frohe Selbstgenügsamkeit eines gefeierten Nationalkomponisten blieb ihm auch anderweitig versagt; als seine bis heute berühmteste Oper «Bomarzo» nach ihrer Uraufführung 1967 in Washington Furore machte, wurde die für Buenos Aires geplante Premiere vom Bürgermeister wegen drohenden «öffentlichen Ärgernisses» kurzerhand verboten. Das Werk blieb auch in Europa nicht ganz unbekannt – eine deutsche Übersetzung wurde 1970 in Kiel und Zürich gespielt (an die Kieler Version erinnert sich die Tochter Ginasteras, eine eloquente Kennerin des väterlichen Œuvres, als «schockierend expressionistisch»). Jetzt ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Hans-Klaus Jungheinrich
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
Wann sind Sie Ariadne zum ersten Mal begegnet?
2014, in meinem letzten Jahr an der Opernakademie Kopenhagen. Ich habe einige Nummern für die Abschlussprüfung und in einem Konzert gesungen.
War das damals eine Wunschpartie?
Ich kannte «Ariadne auf Naxos» gar nicht, habe bei Null angefangen, bin an der Hochschule jeden Takt mit meiner Lehrerin Susanna Eken...
Gleich mit dem ersten Konzert in der neuen Residenz hat Laurence Equilbey klargestellt, wohin es ihr kaum fünf Jahre altes Insula Orchestra zieht: zur Musik der «génération Goethe». Und: zu einer multimedialen Aufführungskultur, die das Repertoire zwischen 1750 und 1850 mit Technik des 21. Jahrhunderts zu vermitteln sucht. Während Stanislas de Barbeyrac zur ersten...
