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58. Jahrgang, Nr 6
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Service, Seite 88
von Redaktion
Auch wenn der Sitznachbar zur Linken die Frage, ob er denn Englisch spreche oder gar Deutsch, mit sanftem Nachdruck zurückweist («Český!!»), auch wenn wir in der Aufführung einer die nationale Folklore feiernden Smetana-Oper sitzen, ist dieser Abend keine subversive Manifestation eines kulturellen Tschexit. Selbst wenn Jiři Nekvasil, seit 2010 Intendant des Národní...
«Wo das Teleskop zu Ende ist, fängt das Mikroskop an; welches von beiden hat die größere Perspektive?» An dieses Zitat aus Victor Hugos «Les Misérables» mag man bei Mandfred Stoys Buch «Die Wiener Staatsoper 1938-1945» denken. Wie dem auch sei: Stoys mikroskopisch sezierender Blick war überfällig, denn mit den Dämonen der mit diesem Zeitraum verbundenen...
Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher...
