Kerger: Fintenzauber
Zu den seltsamsten Blüten des MozartJahrs gehört die in Münster uraufgeführte Oper «Fintenzauber» der beiden Luxemburger Nico Helminger und Camille Kerger. Helminger hat sich aus Mozarts Opern neun Figuren, darunter den Transvestiten Papagenoa, zusammengeklaubt und in einen Plot verwickelt, wie er einfältiger nicht erfunden werden kann. Der Medien- und Modezar Lucio Silla, Chef des Modehauses Leporello und des Privatsenders Leporello-TV, konkurriert mit dem Haar- und Modekonzern Alma & Viva, deren Geschäftsführerin Barbarina ist.
Nach allerlei Intrigen und Verwicklungen, an deren Ende sich herausstellt, dass Silla in Wirklichkeit Don Giovanni ist, fusionieren die beiden Konzerne. Zu dieser Story und ihren papierenen Figuren hat Kerger eine schwerfällig sich dahinschleppende Musik geliefert, die sich kaum mit dem Auf und Ab des höchst konventionellen Sprechgesangs verbindet. Immer wieder schwappen aus dem im Orchestergraben brodelnden, konturlos vor sich hin dampfenden Sinfonie-Eintopf Vibrafonsoli, Klavierkaskaden und Harfengezirpe. Wes Geistes Kind der Humor dieses Elaborats ist, zeigt sich, wenn Antonio Monostatos, hier ein Anwalt in Sillas Diensten, droht: «Wo es schwarze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu...
Das Saallicht erlischt, ein Schwarzweißfilm blitzt auf: Eine junge Sängerin mit getürmtem Haar und dramatischem Make-up wirft sich mit Verve in die Schlussszene der Imogene aus Bellinis «Il pirata». Das Basler Publikum ist entzückt: Das muss sie sein, die junge Caballé. Vor fünfzig Jahren debütierte die Katalanin an dem Schweizer Theater, das ihr jetzt ein...
Ein eitler Pultstar war er nie. Aber ein Könner ersten Ranges, der das Eisen mit expressiver Intensität schmiedete und neben dem beinahe kompletten klassischen und slawischen Repertoire Ur- und Erstaufführungen von Dessau, Berg, Schönberg, Udo Zimmermann und vielen anderen Zeitgenossen dirigierte, die der Dresdner Staatsoper in schwieriger Zeit bedeutungsvolle...
