Kerger: Fintenzauber
Zu den seltsamsten Blüten des MozartJahrs gehört die in Münster uraufgeführte Oper «Fintenzauber» der beiden Luxemburger Nico Helminger und Camille Kerger. Helminger hat sich aus Mozarts Opern neun Figuren, darunter den Transvestiten Papagenoa, zusammengeklaubt und in einen Plot verwickelt, wie er einfältiger nicht erfunden werden kann. Der Medien- und Modezar Lucio Silla, Chef des Modehauses Leporello und des Privatsenders Leporello-TV, konkurriert mit dem Haar- und Modekonzern Alma & Viva, deren Geschäftsführerin Barbarina ist.
Nach allerlei Intrigen und Verwicklungen, an deren Ende sich herausstellt, dass Silla in Wirklichkeit Don Giovanni ist, fusionieren die beiden Konzerne. Zu dieser Story und ihren papierenen Figuren hat Kerger eine schwerfällig sich dahinschleppende Musik geliefert, die sich kaum mit dem Auf und Ab des höchst konventionellen Sprechgesangs verbindet. Immer wieder schwappen aus dem im Orchestergraben brodelnden, konturlos vor sich hin dampfenden Sinfonie-Eintopf Vibrafonsoli, Klavierkaskaden und Harfengezirpe. Wes Geistes Kind der Humor dieses Elaborats ist, zeigt sich, wenn Antonio Monostatos, hier ein Anwalt in Sillas Diensten, droht: «Wo es schwarze ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Von den Symmetrien der Hofarchitektur des 18. Jahrhunderts haben sich der Regisseur Jean Jourdheuil und der Bühnenbildner Mark Lammert für ihre «Così»-Inszenierung in Genf anregen lassen. Im Halbrund mit acht Drehtüren, zwischen denen sich Wände öffnen und schließen, die Menschen voneinander abgrenzen oder neu zusammenführen, spielt ihr psychologisches Experiment....
Über dem Mozart-Hype hätte man beinahe den anderen Jubilar vergessen, hundert Jahre jünger als der Jahresregent: Sigmund Freud. Von ihm stammt der Satz «Was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg», was wiederum als Spielstein fugenlos ins Programmpuzzle von «New Crowned Hope» passen würde. Künstler müssen der Welt Zeichen und Bilder des...
Neben der Pariser Opéra National ist es der Firma LGM und Radio France zu danken, dass Christoph Marthalers und Sylvain Cambrelings «Figaro» fünf Jahre nach seiner Salzburger Premiere nun auf DVD herauskommt. Die Sängerbesetzung im Palais Garnier 2006 ist im Wesentlichen die gleiche geblieben. Einzige Unterschiede: Christiane Oelze singt statt der Susanna nun die...
