In höchster Not
Gäbe es einen Superlativ zu dem Wort «zeitlos», er gebührte zweifellos «Othello». Denn das Sujet verbindet und trennt zwei Menschen, die qua Rasse oder Geschlecht prädestinierte Unterdrückungsopfer sind: Othello – als ein in venezianischen Diensten stehender Maure (also Afrikaner), der nur Anerkennung für seine militärischen Erfolge findet, aber gesellschaftlich isoliert bleibt – und Desdemona, Objekt tödlich endender männlicher Obsessionen.
Shakespeares 1604 uraufgeführter «Othello» war schon früh dessen erfolgreichstes Stück, wurde dann unaufhörlich neu interpretiert, 1887 auch von Verdis Librettisten Boito; in jüngerer Zeit erwies er sich besonders geeignet für antikolonialistisch und feministisch orientierte Regiearbeiten.
Auch die Oper Leipzig bedient diese Diskurse, scheitert aber daran, die menschliche Tragödie auf eine ideologische Bedeutungsebene zu verschieben. Dies verhindern Xavier Moreno und Iulia Maria Dan. Zwar artikuliert Morenos Otello anfangs zu vollmundig und Dans Desdemona zu scharfkantig, im Verlauf des Abends aber ersingen sich beide eine Spontaneität, die wunderbar mit ihrem schauspielerischen Können verschmilzt und das Mitgefühl der Zuhörerschaft geradezu ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Volker Tarnow
Giacomo Meyerbeer wäre eigentlich der erste gewesen. Doch es kam anders. «Gewisse Extravaganzen», wie es sein Bruder ausdrückte, riefen die Zensur auf den Plan. Librettist Felice Romani musste «Francesca da Rimini» allerdings deswegen nicht der Schublade überantworten. Ein Dutzend Mal fand seine Version einer Begebenheit aus Dantes «Divina Commedia» den Weg auf die...
Vorschau
Slowenische Poesie
In seiner Heimat ist er ein Star. Und vielleicht auch bald in Deutschland, wo Vito Žuraj nach einem Studium in Ljubljana wichtige Impulse als Komponist erhielt und sein Wissen inzwischen selbst weitergibt. An der Oper Frankfurt erlebt nun Žurajs Musiktheater «Blühen» auf ein Libretto von Händl Klaus seine Uraufführung – ein Stück, das...
Herr Rožeň, im Ausland werden Sie hauptsächlich als Dirigent für tschechische Musik wahrgenommen. Wie finden Sie das?
Ich denke, das ist ganz natürlich. Ein guter junger italienischer Dirigent wird zu Beginn seiner Karriere international hauptsächlich für italienisches Repertoire gebucht werden, ein tschechischer eben für tschechisches. Klar will ich nicht ewig in...
