Im unbehausten Gehäuse
Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, jedenfalls nicht eins zu eins. Aber analoge Situationen lassen sich immerhin beobachten, zumindest nachträglich konstruieren. Vor gut 100 Jahren, mit Ende des Ersten Weltkriegs, führte mancherlei Not zu allerlei produktiven Provisorien. Auf die Opulenz von Hofmannsthals und Strauss’ «Frau ohne Schatten» folgte Strawinskys karge «Histoire du soldat». Nun nötigt die Pandemie in ganz anderer Weise zu vielfältigen Einschränkungen: des Repertoires, der Aufführungen, des Besuchs. Improvisation ist gefragt.
Ein bemerkenswertes Beispiel bietet das Würzburger Mainfranken Theater, das gerade saniert und erweitert wird – was dauert. Als Alternativspielstätte dient die Theaterfabrik Blaue Halle, zugehörig zu einer größeren, derzeit sehr gefragten, auf Kühlboxen spezialisierten Firma. Dieser Raum ist nicht nur als Ausweichspielstätte für Musik- und Tanztheater gut geeignet, er steht zudem für eine gelungene Symbiose von Industrie und Kultur. Einer Aufführung der Neuproduktion von Janáčeks «Sache Makropulos» stand also nichts im Wege, mit Ausnahme des pandemiebedingten Ausfalls des Orchesters. Auf die Premiere ganz verzichten wollte man der ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard R. Koch
In einem Essay aus dem Jahr 1978 mit dem Titel «Ins eigene Fleisch» entwirft Wolfgang Rihm das idealische Wesen und Sein seiner ästhetischen Existenz. Und er tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die das Übermäßig-Unbotmäßige seines Komponierens schon zu diesem relativ frühen Zeitpunkt evoziert: «Ich habe die Vorstellung eines großen Musikblocks, der in mir...
Aufgeheizte Körper reiben sich choreografiert aneinander; Begehren und Erregung als Tanz: der Tango. Astor Piazzolla setzte ihm 1968 in seiner Tango Operita «María de Buenos Aires» ein kunstmusikalisches Denkmal. Das Libretto von Horacio Ferrer erzählt dazu von einem Mädchen aus der tristen Vorstadt, das sich in die gefährliche Millionen-Metropole wagt und dort...
Es ist eben alles eine Frage der Wahrnehmung: Einmal prangt «Faust» auf der Titelseite, einmal «Margarethe», je nachdem, wie man das Programmheft hält. Nach der Pause gibt’s sogar ein Déjà-ecouté auf die Ohren, wenn Domonkos Héja noch einmal die Ouvertüre dirigiert – als Entrée für einen Perspektivwechsel zu Gunsten Marguerites: Jetzt ist sie dran. Am Ende wird sie...
