Im Erinnerungsnebel
In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger Inszenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Christian Schmidt (Bühnenbild und Kostüme) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu enträtseln und sich durch ein Labyrinth von Bildchiffren und Handlungsbrechungen zu winden.
Wenn der Vorhang sich zu den dunklen Streicherfiguren des Prologs – auch durch vier dunkle Männerstimmen in Nachtfarben getaucht – öffnet, ist es hell. Boccanegra erhebt sich und wird zum Zeugen seiner eigenen Geschichte. In einem Spiegel, der den Bühnenhintergrund bildet, erlebt er in assoziativen Bildern und Episoden seinen Werdegang: seine Wahl zum Dogen, die Konfrontation mit seinem Widersacher Fiesco und den Tod seiner Geliebten Maria im Prolog; dann, fünfundzwanzig Jahre später, das Wiedersehen mit seiner Tochter Maria und die große Ratsszene mit dem Friedensappell; die Kontroverse mit Paolo und seinen Tod durch Gift. Für diesen Erinnerungstraum benötigte die Regie zwei Simone-Doubles, deren Auftritte den Zuschauer immer ...
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