Mozart: Zaïde
Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem äußerlich unvollendeten Singspiel, kann man all das herausholen: die großen Gefühle, die Sehnsucht nach Freiheit, den Todes-mut.
Überliefert sind fünfzehn Musiknummern, die durch eine Dramaturgie schlüssig gemacht werden müssen. Hat Calixto Bieito in seiner Berliner «Serail»-Inszenierung Mozarts Orient brutal entzaubert, so setzt die Regisseurin und Autorin Jenny Erpenbeck bei ihrer «Zaïde» nicht nur auf Gewalt, sondern auch auf die Poesie. Erpenbecks «Vervollständigung» des Fragments ist somit ein würdiger Beitrag zum Mozart-Jahr – und dies nicht, weil sie die ursprüngliche Geschichte, die der «Entführung» stark ähnelt, «aktualisiert», sondern weil diese Aktualisierung ans Herz rührt. Historischer Hintergrund dieser Neueinrichtung ist die Verbrüderung der Millionärstochter Patty Hearst mit ihren Entführern. Im ...
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