Im Bann heftiger Leidenschaft

Eine echte Wiederentdeckung: André Cardinal Destouches’ «Sémiramis» in einer Aufnahme des Orchesters Les Ombres unter Sylvain Sartre

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Bei seiner Premiere am 8. Dezember 1718 an der Pariser Académie royale de musique fiel das Werk durch. André Cardinal Destouches’ «Sémiramis» wurde nach nur einem Monat abgesetzt – und erst dreihundert Jahre später beim Festival d’Ambronay erneut aufgeführt. Die Oper über die sagenhafte babylonische Königin scheint das Pariser Publikum, dessen Geschmack damals mehr den unterhaltsameren Opéra ballets als der Tragédie en musique in der Nachfolge Lullys galt, gelangweilt zu haben.

Gleichviel: Destouches, heute zu Unrecht kaum bekannt, war ein erfolgreicher Komponist, dessen erste Oper «Issé» von 1697 Ludwig XIV. begeisterte und der darum bei Hof schnell Karriere machte. Hört man den im März 2020 in Versailles entstandenen Mitschnitt der «Sémiramis», versteht man, warum er als einer der wichtigsten Wegbereiter für die Weiterentwicklung der französischen Oper nach Lully gilt. Aus seiner Musik weht der Geist des wahren Dramas – kraftvoller Schwung, expressive Wahrhaftigkeit und Pathos. Schlag auf Schlag folgen die Ereignisse der Handlung; die aus Chören und Tänzen bestehenden Divertissements sind in das Geschehen integriert, die Eloquenz der musikalischen Rede besitzt die Erhabenheit ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert

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