Hommage an eine gefährdete Kunst

Die klassische chinesische Oper droht auszusterben. «Schnee im August» von Gao Xingjian und Xu Shuya beschwört das ästhetische Potenzial des fernöstlichen Genres – mit den Mitteln der westlichen Moderne

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Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünf­undfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt einer Sensation gleich (siehe OW 11/1999). Schon die achtzehnstündige Spieldauer dieser Liebes­traumgeschichte aus der späten Ming-Dynastie ließ das Publikum staunen.

Ein Opus in «Ring»-Dimensionen, lange vor Wagner komponiert und oben­drein aus Fernost? Das war neu. So neu und so fremd wie die Form eines Musiktheaters, dessen Typen, Symbole, Vokalstile und Dramaturgie dem an der europäischen Tradition geschulten Auge und Ohr kei­nerlei Anknüpfungspunkte zu bieten schienen.
Wie ein Fremdkörper wird die klassische chinesische Oper heute selbst im Land ihrer Herkunft wahrgenommen – dort allerdings weniger als Faszinosum denn als entbehrliches Relikt einer fernen Vergangenheit. Denn im Zuge des von der kommunistischen Partei forcierten Modernisierungsschubs, der die chinesische Gesellschaft derzeit umwälzt, drohen alle Spuren zu ...

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Opernwelt März 2005
Rubrik: Magazin, Seite 18
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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