Hommage an eine gefährdete Kunst
Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünfundfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt einer Sensation gleich (siehe OW 11/1999). Schon die achtzehnstündige Spieldauer dieser Liebestraumgeschichte aus der späten Ming-Dynastie ließ das Publikum staunen.
Ein Opus in «Ring»-Dimensionen, lange vor Wagner komponiert und obendrein aus Fernost? Das war neu. So neu und so fremd wie die Form eines Musiktheaters, dessen Typen, Symbole, Vokalstile und Dramaturgie dem an der europäischen Tradition geschulten Auge und Ohr keinerlei Anknüpfungspunkte zu bieten schienen.
Wie ein Fremdkörper wird die klassische chinesische Oper heute selbst im Land ihrer Herkunft wahrgenommen – dort allerdings weniger als Faszinosum denn als entbehrliches Relikt einer fernen Vergangenheit. Denn im Zuge des von der kommunistischen Partei forcierten Modernisierungsschubs, der die chinesische Gesellschaft derzeit umwälzt, drohen alle Spuren zu ...
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Osnabrück koppelte Henzes selten gespielten Opernerstling «Das Wundertheater» und Ravels musikalisches Märchen «L'Enfant et les Sortilèges» zu einem originellen Doppelabend. Henze hat in der 1948 uraufgeführten Kammeroper (gespielt wurde die Fassung für Sänger aus dem Jahr 1964) geschickt den von Cervantes stammenden Text mit einem politischen Widerhaken...
Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die...
Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Libretto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Komponisten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus...
