Geometrie des Schreckens
Eigentlich müssten die dunklen, ungreifbaren Ängste der Mélisande und ihres Schwagers Pelléas in Palermo, wo die ungreifbare Mafia herrscht, auf eine gewisse Seelenverwandtschaft treffen: Nichts ist gewiss, aber alle wissen es. Gewiss ist nur, dass der derzeit mächtigste Boss Bernardo Provenzano seit mehr als vierzig (!) Jahren unauffindbar ist, obwohl er in Palermo oder Umgebung lebt.
Aber die Geometrie der Ängste war den Palermitanern vielleich allzu nah, ein müdes Publikum fand Debussy fad, und die Inszenierung von Pier’Alli, mit seiner Ausstattung, die 1997 in Lille Preise einheimste, löste nur Ratlosigkeit aus.
Dabei ist Pier’Allis Phantasie eindringlich und leicht zu entschlüsseln: Er hat die Technik seiner frühen Experimente, Psychisches in abstrakte Bildwelten zu übersetzen, eher vereinfacht. Im «Pelléas» entspricht dem Intellekt und der Klarheit eine gotisierende Geometrie aus Spitzbögen und Kreissegmenten, dem Sentiment eine vegetabile Formenwelt, tropfsteinige Wälder aus Stalaktiten und Stalagmiten. Die Bilder verweisen aufeinander, das Riesengestirn eines bleichen Planeten kehrt immer wieder. Ist er die Heimat Mélisandes oder des Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry? ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das schwäbische Label UraCant ist immer wieder für Überraschungen gut. Es produziert nur Weniges, aber das sehr gezielt. Die beiden jüngsten Veröffentlichungen sind zwei Sängerinnen gewidmet, die zwar auch internationale Erfolge hatten, deren künstlerischer Schwerpunkt aber über einige Jahrzehnte die Stuttgarter Staatsoper war: der Mezzosopranistin Hetty Plümacher...
Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970...
Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
