Heimatlos
Schöner war Hoffnung wohl nie: «Zieh Gedanke, auf gold’nen Schwingen, / zieh und ruhe auf Fluren und Hügeln! / Lass die Sehnsucht den Lauf dir beflügeln, / bis zu Zions Gebirge und Tal.» Mögen diese luziden Verse nicht jedem Erdenbürger vertraut sein, die Musik dazu ist es mit ziemlicher Gewissheit – das Fis-Dur-Largo aus Verdis «Nabucco» zählt zu den meistgesungenen Chören überhaupt. Auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper klingt der Gefangenenchor, der nicht selten Anlass zu religiös-politischen Manifesten bot, völlig anders – inwendiger, zurückgenommener.
Und er erklingt gleich zweimal: zunächst nobel, differenziert dargeboten durch den von Geflüchteten flankierten Chor des Hauses, dann noch einmal im dritten von vier Intermezzi, nunmehr ohne Orchester, vorsichtig vorgetragen vom «Projektchor Nabucco». «Va, pensiero» als humanistische Botschaft.
Denkwürdig wird die Botschaft, zumal im mondänen Ambiente einer Staatsoper, weil sie auf Pathos völlig verzichtet. Frauen, Männern und Kindern aus Syrien, Afghanistan, Ägypten und dem Iran, die vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen sind, wird hier die Gelegenheit gegeben, singend einem alles beherrschenden Gefühl freien Lauf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014...
Gaetano Donizettis 1837 für Neapel komponierter «Roberto Devereux» wird meist als Bravourstück für Primadonnen missbraucht. In Karlsruhe drehen Yannis Thavoris (Bühne) und Mark Bouman (Kostüme) nun den Spieß um und blähen das strenge Kammerspiel zum opulenten Historienschinken auf. Die hohe, historischen Räumen nachempfundene Szene wird beherrscht von den Kostümen...
Dieses Liebesglück ist vollkommen. Hat zwar ein bisschen gedauert, bis die Schäferin Fillide den Werbungen Amintas nachgab; schließlich galt es – in zehn zähen Da-capo-Arien – die Wahrhaftigkeit seines Ansinnens zu prüfen. Doch jetzt, im abschließenden Duett «Per abbatter il rigore d’un crudel», gibt es kein Halten mehr. Die Augen glänzen, das Herz erzittert. Und...
