Unwiderstehlich
Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014 bestellt hatte. Auf Marlowe oder Goethe, die im Musiktheater über Gebühr Bemühten, hatten die beiden wenig Lust.
Doch was schließlich im Linbury Studio des ROH vorgestellt wurde, hatte dann doch wieder viel mit dem faustischen Spiel um die Wahrheit zu tun.
Eine Frau verfällt einem promiskuitiven Autohändler, der sich als Agent des MI5 ausgibt und sie beinahe um ihre Existenz bringt. Das ist der Plot. Doch aufgerollt wird das Geschehen in 16 kompakt gebauten Dialogen: Das Opfer steht – der Mann schmort mittlerweile im Knast – einer TV-Reporterin Rede und Antwort. Und ringt im Rückblick um die authentische Darstellung der Ereignisse. Heraus kommt dabei ein Mosaik mit Auftritten des Geliebten, der Schwester und vielen Leerstellen. Wie ein offener Episodenfilm ist das Ganze konstruiert, raffiniert und – gerade weil er viel ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Normalerweise siegt im Märchen das Gute über das Böse, und der Held bekommt die Prinzessin. In «Der Schatten» von Hans Christian Andersen ist es umgekehrt – und genau das hat den schwedischen Komponisten Hans Gefors zu der Kammeroper «Schattenspiele» inspiriert, die das Theater Hof sinnfällig mit dem «Leuchtturm» von Peter Maxwell Davies kombiniert. In beiden...
Einen Filmregisseur für eine Inszenierung von «La fanciulla del West» einzuladen, ist naheliegend, enthält Giacomo Puccinis Oper aus dem Jahr 1910 doch alle Topoi des zeitgleich entstehenden Filmwestern. Dabei bedient Andreas Dresen diese Topoi an der Bayerischen Staatsoper keineswegs. Keinen Saloon hat ihm der Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau gebaut, sondern...
Tschaikowsky hielt sie für seine beste Oper – und das will etwas heißen bei diesem stets an sich selbst zweifelnden Komponisten: «Tscharodeika» oder «Die Zauberin» aus dem Jahre 1887 (genau genommen müsste der deutsche Titel eigentlich «Die Bezaubernde» lauten), ein Werk, das (fast) niemand kennt. Nun die französische Erstaufführung in Lyon: eine Wucht! Zwar...
