Kostümfest
Gaetano Donizettis 1837 für Neapel komponierter «Roberto Devereux» wird meist als Bravourstück für Primadonnen missbraucht. In Karlsruhe drehen Yannis Thavoris (Bühne) und Mark Bouman (Kostüme) nun den Spieß um und blähen das strenge Kammerspiel zum opulenten Historienschinken auf. Die hohe, historischen Räumen nachempfundene Szene wird beherrscht von den Kostümen – 70 prunkvolle, hand- und maßgeschneiderte Unikate, davon allein vier Roben für die Königin, für deren Make-up, Hairstyling und glamourösen Perlenschmuck Gemälde der Zeit das Vorbild lieferten.
Sinnlich fassbar wird nur das Äußere, bis zum echten Kaminfeuer oder der Feder, mit der die Richter Devereux’ Todesurteil unterzeichnen.
Donizetti geht es in seiner «Oper der Emotionen» aber nicht um Historie – sie setzt nur den Rahmen der ineinander verklammerten Einzelschicksale, ist überdies weitgehend romantische Erfindung –, sondern um Liebe, heftig und (selbst-) zerstörerisch bis zum Tod. Die Figuren des Eifersuchtsdramas – die alternde englische Königin Elisabeth I., ihr junger Günstling Devereux, die Hofdame Sara Nottingham und deren Mann – sind Getriebene ihrer Leidenschaft. Elisabeth verzweifelt an der Liebe zu dem zum ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Uwe Schweikert
«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie...
Am Ende, als die Kinder erdolcht sind, das Feuer erloschen, steht sie wieder alleine da: die Ausgestoßene. Selten war das Schwarz der Hinterbühne so erbarmungslos und leer wie in den letzten Takten dieser «Medea» am Essener Aalto-Theater: «Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.»
Die antike Sage erzählt von der Flucht Jasons und Medeas, des griechischen...
Einen Filmregisseur für eine Inszenierung von «La fanciulla del West» einzuladen, ist naheliegend, enthält Giacomo Puccinis Oper aus dem Jahr 1910 doch alle Topoi des zeitgleich entstehenden Filmwestern. Dabei bedient Andreas Dresen diese Topoi an der Bayerischen Staatsoper keineswegs. Keinen Saloon hat ihm der Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau gebaut, sondern...
