Gut in Schuss
Hat jemand mal den durchschnittlichen Pulsschlag von Pilgern gemessen? Und den von Besuchern in Lusttempeln? Man sollte diese Ergebnisse mit der Schlagzahl vergleichen, die Marek Janowski als Tempovorgaben für seinen Tannhäuser gewählt hat. Um es nett auszudrücken: Zu langsam ist er nie. Anders gesagt: Janowski ist oft stramm unterwegs, kommt (fast) ohne Ruhephasen aus. Wenn er – etwa in der zweiten Szene des zweiten Akts – doch mal Pausen einlegt, wirken diese umso intensiver. Wie bisher in diesem Berliner Wagner-CD-Zyklus ist das Rundfunk-Sinfonieorchester gut in Schuss.
Einmal abgesehen davon, dass die Streicher hin und wieder Mühe mit dem für sie stellenweise höllisch schweren Part zu haben scheinen. Doch insgesamt stimmt die Balance der Instrumente, die Blechbläser sind organisch eingebunden, das ein oder andere schöne Holz-Solo dringt auch dort durch, wo sonst orchestraler Tumult herrscht. Als feste Größe bewährt sich einmal mehr der Rundfunkchor Berlin.
Die Titelpartie sollte eigentlich Torsten Kerl singen, doch kurzfristig sprang Robert Dean Smith ein. Ein Einsatz, der zwiespältige Eindrücke hinterlässt. Bei den Aufschwüngen in hohe Tonbereiche etwa fürchtet man um die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Christoph Vratz
Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grausamer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine...
Jubilare
Er war der erste farbige Wotan an der New Yorker Met (1986) und der erste farbige Sänger bei den Bayreuther Festspielen: Von 1978 bis 1981 sang der US-Amerikaner Simon Estes hier den Fliegenden Holländer («ein mächtiger, sonorer Bassbariton, ein kluger und gewandter Darsteller», schrieb Opernwelt 1978). Vor allem Wotan galt als die Glanzrolle seines...
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...
