La Clemenza d'Angelina

Rossini: La Cenerentola Wien / Staatsoper

Opernwelt - Logo

Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928, und Joachim Kaiser, der dies 1965 in seinem Kleinen Theatertagebuch zitierte, sprach in solchem Zusammenhang von einer déformation professionelle der Rezensenten. Doch tut es gelegentlich gut, der Neigung zum «Sehen-und-Gesehenwerden» zu widerstehen und sich auf den Rang zu begeben – zum Beispiel in der Wiener Staatsoper. Denn das Ohr kann dort Dinge erfahren, derer es im Parkett kaum anhörig wird.



Bei der jüngsten Neuinszenierung der Staatsoper, Rossinis La Cenerentola, sind es Details, die man, den Reaktionen von Besuchern im Parkett nach zu schließen, dort unten nicht wahrgenommen hätte. Manche Zwischentöne – etwa wenn Dirigent Jesús López-Cobos statt aufs Dauer-Allegro auf die der Partitur immanente Melancholie setzt, wenn er die Durchtriebenheit dieser Musik eher mit dem Zeigefinger vor dem Mund vorzuführen sucht. Den kritischen Ton, die Bruchstellen bleibt er uns freilich schuldig. Denn Rossinis  Oper hat wenig mit Charles Perraults Märchen, dem Kürbiswagen, der Fee und dem gläsernen Pantoffel zu tun, sondern handelt von sozialer Unterdrückung, mit einem lieto fine freilich, das an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Orgie der Untoten

Bruno Madernas Oper Satyricon von 1971/72 ist das letzte große Werk des 1973 verstorbenen vielseitigen Genies. Er schrieb es eigentlich für die ­Studenten seines Sommerkurses im berühmten Tanglewood, uraufgeführt wurde die Oper in seinem Todesjahr in Amsterdam. In vierzig Jahren lassen sich die Inszenierungen an den Fingern beider Hände abzählen. Die deutsche...

Etikettenschwindel

Sensationelle Erkenntnisse verhieß sie, die Ausstellung Mozart-Bilder – Bilder Mozarts im Mozart-Museum am Salzburger Makartplatz (bis 14. April 2013). Das berühmte Porträt von Johann Joseph Lange (1789), Mozarts Schwager, sei nicht unvollendet, wie «jüngste» Analysen des Münchner ­Doerner-Instituts bewiesen; eine Miniatur sei «kürzlich» als authentische...

Herrschaft der Gewissenlosen

Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...