Groß und klein
Prekäre Arbeit als Sujet hat auf der Opernbühne Tradition: Während jedoch Don Giovannis Diener Leporello seine Klage über die ungeregelten Arbeitszeiten überaus beredt formuliert, schuften die geknechteten Nibelungen im «Rheingold» wortlos unter Tage. Der zeitgenössischen Spielart dieser zeitlosen Form von Ausbeutung widmet sich Peter Eötvös’ Kammeroper «Der Goldene Drache» (auf Roland Schimmelpfennigs Libretto nach seinem gleichnamigen Schauspiel), die 2014 in Frankfurt uraufgeführt wurde und nun, als bereits vierte Produktion, in Krefeld herauskam.
Das knapp 95-minütige Werk nimmt sich mit buffonesker Spielfreude des Themas illegaler Arbeit in der Gastronomie an; den titelgebenden Namen trägt ein billiger Asia-Imbiss irgendwo in der westlichen Welt. In 21 kurzen Szenen mit insgesamt 17 Figuren, die von nur fünf Ensemblemitgliedern verkörpert werden, wird dort ein Panorama der alltäglichen Dramen entblättert. Gespielt wird in Krefeld auf der Bühne, auf nur 120 Plätzen rückt das Publikum dem Geschehen nahe. Dietlind Konold hat mit viel Sinn für authentische Details eine winzige Kombüsenküche aufgebaut; ein Laufsteg führt von dieser weg in den Raum und deutet weitere Spielorte an, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Der Nachruhm des Komponisten Nicola Vaccaj (1790-1848) beschränkt sich im Wesentlichen auf seine noch heute gelegentlich verwendete Gesangsschule («Metodo pratico di canto italiano per camera»), doch vergebens sucht man in aktuellen Opernführern nähere Informationen zu einem seiner 17 Bühnenwerke. Das gilt selbst für «Giulietta e Romeo» (Mailand, 1825), ein...
Das Auge muss sich erst einmal zurechtfinden auf Dorota Karolczaks üppig möblierter Bühne im noch schummrigen Licht der Ouvertüre von «Rodrigo», der diesjährigen Neuproduktion der Göttinger Händel-Festspiele. Denn der einst elegante Salon mit Hinterzimmern ist arg heruntergekommen. Der Putz bröckelt, großflächig breitet sich Schimmel aus, Löcher in der Decke und...
Anstößig sei alles wahrhaft Produktive, schrieb Friedrich Nietzsche in seinen «Unzeitgemäßen Betrachtungen». Er bezog es auf einen «allgemein ansprechenden Ton» mancher Schriftsteller, dem eben dieses Anstößige fehle. Ob auch Bohuslav Martinů (1890-1959) etwas Unangepasstes meinte, als er angab, er habe seine «Lieder geschrieben, wenn er nicht komponierte»?...
