Berückender Leerlauf

Händel: Rodrigo
Göttingen | Deutsches Theater

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Das Auge muss sich erst einmal zurechtfinden auf Dorota Karolczaks üppig möblierter Bühne im noch schummrigen Licht der Ouvertüre von «Rodrigo», der diesjährigen Neuproduktion der Göttinger Händel-Festspiele. Denn der einst elegante Salon mit Hinterzimmern ist arg heruntergekommen.

Der Putz bröckelt, großflächig breitet sich Schimmel aus, Löcher in der Decke und heraushängende Kabel bieten pittoresken Trash; in der Mitte vorn thront eine verwohnte Sitzlandschaft nebst Bar-Wagen, im Hintergrund bewegt sich jemand an einem Flügel halbwegs synchron zu den knackig zugespitzten Rhythmen des Vorspiels. Das dauert außergewöhnlich lange und ist vielfach unterteilt in schnelle und langsame Sätze, die sich, wie eine Suite, selbst zu genügen scheinen.

Die Handlung nimmt die historische Figur Roderichs, des letzten Königs der Westgoten, zum Anlass für barockoperntypisch verzwickte Konstellationen. Der Titelheld (Sopran!) ist bei Händel ein sprunghafter Egomane, der in kinderloser Ehe mit Esilena (Sopran) lebt und eine gewisse Florinda (Sopran) geschwängert hat. Beide Damen interessieren Rodrigo aber nicht sonderlich. Ferner gibt es noch den König Evanco von Aragon (Countertenor), den der ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Regine Müller

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