Grenzgänge
Längst haben Countertenöre die Kreise der Alten und Neuen Musik verlassen und begonnen, sich auch das dazwischen liegende Repertoire anzueignen. Jochen Kowalski war einer der Ersten, der Liederabende mit einem klassisch-romantischen Programm riskierte – und Gehör fand. Philippe Jaroussky gelang 2009 eine kleine Sensation mit seinem wahrhaft berauschenden Album «Opium» mit französischen mélodies der Jahrhundertwende. Nun hat auch Bejun Mehta ein Liederalbum vorgelegt, auf dem er sich dem englischen Liedschaffen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet.
Die Auswahl ist sehr gelungen, denn sie vereint fast alle zentralen Komponisten dieser an Liedschöpfungen ungemein reichen Zeit.
In den letzten Jahren sind bemerkenswerte Aufnahmen dieses Repertoires entstanden, an denen Mehta sich messen lassen muss. Gegen Liedgestalter, die so aus der reichen Fülle ihrer stimmlichen Mittel schöpfen wie Sarah Walker, John Mark Ainsley oder Bryn Terfel, kann er allerdings kaum bestehen. Mehtas Stimme ist doppelt limitiert: Zum einen klingt sie nur im Piano- und Mezzofortebereich vergleichsweise rund, bei höheren Stärkegraden verliert sie hingegen rasch an klanglicher Rundung und Fassung. Zum ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | CDs, Seite 27
von Thomas Seedorf
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind:...
Nichts von Natur. Keine neblige Ahnung des Unheimlichen. Die Basler «Wozzeck»-Bühne von Silvia Merlo und Ulf Stengl ist ein klinisch weißes Gebäude, über Eck positioniert, das eine geschlossene Anstalt sein könnte. Stahltreppen, blinde Fenster, keine Tür, kein Ein und Aus, kein Entkommen. Die – hinzuzudenkenden – Räume: keine eindeutigen Hinweise, keine Auskunft,...
Kurz vor dem Ernstfall musste die Trophäenschau helfen. Waltraud Meier und Johan Botha erschienen leibhaftig bei der Pressekonferenz der Bayerischen Staatsoper in Tokio. Als Beweise, als Signal: Ja, die Stars sind tatsächlich da. Ganz so einfach ist es nämlich nicht mehr mit den Japan-Gastspielen westlicher Renommierhäuser. Karten werden zwar gekauft, die...
