Parcours der Plattitüden
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind: dass Giovanni ein «blinder Fleck» sei, ein «im Grunde genommen ziemlich langweiliger Kerl». Im Libretto wie in der Musik gebe es nichts, was darauf hindeute, dass dieser Giovanni mehr sein könnte als eine Katastrophe.
Schon bevor sie nach der Aufführung mit trotziger Lach-den-Protest-weg-Pose in ein Kurzgewitter von Buh-Rufen trat, hatte Simone Young zu Beginn des zweiten Aktes lautstarkes Missfallen über sich ergehen lassen müssen. Es galt zum einen der Intendantin, die mit der Wahl ihrer Regisseure bislang wenig Fortüne zeigte, zum anderen aber auch der Dirigentin an der Spitze eines spröde, dynamisch grob musizierenden Orchesters und eines wenig homogenen Ensembles.
Wenn sich nach dem lärmig hingeworfenen d-Moll-Akkord der Hörner, Trompeten, Pauke und schrillen Flöten der Vorhang öffnet, wandert unter dunkel-dräuendem ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Kesting
Zwei Jahre ist es her, dass Salvatore Licitra in einem Gespräch mit der Berliner «B.Z.» auf seine Leidenschaft für Motorräder angesprochen und gefragt wurde, ob er keine Angst vor einem Unfall habe. «Schon, aber was passieren soll», erwiderte er, «passiert. Ich genieße mein Leben.» Am 27. August erlitt er in der Nähe von Ragusa während einer Fahrt mit einem...
Auf ihrem Debüt-Album überraschte die junge Russin Olga Peretyatko mit stimmigen Rollenporträts von Donizettis Adina bis zu Puccinis Magda. Auch Strauß‘ Adele hat sie drauf – in bestem Deutsch. Ein Sopran, der ins lyrische Fach will? Wir haben nachgefragt
Vor fünf Jahren legte Véronique Gens ihr erstes «Tragédiennes»-Recital vor, das sich mit barockem Repertoire...
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem...
