Gottes Werk und Teufels Beitrag
So könnte es gewesen sein, damals, als Niccolò Paganini, der Teufelsgeiger, seine Konzerte gab, so zeigt ihn manche Karikatur. Aus dem tiefen Dunkel der Bühne im Theater Basel schält sich eine Gestalt, besessen nur von einem: vom leidenschaftlichen Spiel auf der Violine. Die wilden Haare fliegen umher, der lange Künstlermantel ebenfalls: Ekstase auf vier Saiten.
Doch dieses Mal ist eine Teufelsgeigerin am Werk: Patricia Kopatchinskaja hat das Konzertpodium mit der Theaterbühne getauscht.
Und sie spielt nicht nur Geige, sie spielt auch (mit) sich, mit anderen, gegen andere. Alles ist möglich in diesem Stück mit dem vielsagenden Titel «Vergeigt». Autor – Herbert Fritsch. Der Regisseur mit dem Hang zum subtilen, dann wieder ganz rustikalen Klamauk, der Theatermann, der sein Theater so gerne in kontrastierende Farben taucht, hat sein eigenes Musiktheater kreiert. Und dafür eine Partnerin gefunden, die seine Vorlieben ganz offensichtlich teilt. Kopatchinskaja geht auf in dem (mit ihr) achtköpfigen Ensemble aus Schauspielern, Sängern, Instrumentalisten, Tänzern, Akrobaten. «Vergeigt» ist Theater, Kleinkunst, Kabarett, Zirkus. Und in den besten Momenten eine durchaus hintergründige ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Alexander Dick
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
Ein Gemetzel. Verursacht von rasenden Mänaden, die taub sind für den Gesang des sagenhaften Sängers. Und ein Schluss, wie er sich offenbar nicht geziemt für die Oper, wo nicht zuletzt die Financiers samt vergnügungsseligem Publikum nach dem Happy End verlangten. Das war schon ganz am Anfang so, bei Claudio Monteverdi, der seinen Orfeo von Papa Apoll begleitet in...
Musikgeschichte kann auf seltsame Weise ungnädig sein. Bei Komponisten etwa, die in der Popularitätslotterie ihrer Zeit reüssierten, dadurch ihren Nachruhm gesichert wähnten, und sich heute bestenfalls als Randnotiz des Repertoires wiederfinden. Felix Weingartner (1863–1942), als gefeierter Dirigent einst Nachfolger Gustav Mahlers im Amt des Wiener...
