Triumph der Liebe
Ein Gemetzel. Verursacht von rasenden Mänaden, die taub sind für den Gesang des sagenhaften Sängers. Und ein Schluss, wie er sich offenbar nicht geziemt für die Oper, wo nicht zuletzt die Financiers samt vergnügungsseligem Publikum nach dem Happy End verlangten. Das war schon ganz am Anfang so, bei Claudio Monteverdi, der seinen Orfeo von Papa Apoll begleitet in den Himmel auffahren ließ. Und auch bei Christoph Willibald Gluck, der am Ende nicht nur den Triumph der Liebe, sondern gleich den der ganzen Welt feierte.
Es sei denn, man führt auch «Orfeo ed Euridice» zurück zum antiken Original. Vielleicht nicht zum ursprünglichen blutrünstigen Finale, man kann die Sache auch im Nihilismus verebben lassen: Was wohl ist schlimmer für Orfeo?
Christof Loy hat das bei den Salzburger Pfingstfestspielen getan. Und er darf sich dabei nicht nur der Unterstützung der singenden Festivalchefin Cecilia Bartoli sicher sein, er beruft sich auch auf den Komponisten selbst. Eine endgültige Fassung der Gluck-Oper gibt es bekanntlich nicht, nur ortsabhängige Varianten. Loy und Bartoli wählen zwar die höher gelagerte Parma-Fassung, doch bleibt die lediglich Gerüst. Das Finale entfällt, dafür wird ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
Noch vor ein paar Jahren galt die Musik des 1880 in Moskau geborenen und 1951 in London gestorbenen Komponisten und Pianisten Nikolai Medtner als «Randrepertoire», als «Spezialsache für Spezialisten». Der vielfach ausgezeichnete Pianist Severin von Eckardstein war einer der Ersten, die sich selbstbewusst für Medtner aussprachen. 2007 spielte er erstmals prominent...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
