Tod auf Kredit

Smyth: The Prison am Theater Darmstadt

Opernwelt - Logo

Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel Smyth lassen Regisseurin Franziska Angerer und ihre Ausstatterin Valentina Pino Reyes die Kulisse vor den Augen des Publikums in einer Live-Installation entstehen.

Die Produktion eröffnet das Darmstädter Back-Stage-Festival, das den Zuschauerinnen und Zuschauern Theatererlebnisse aus ungewohnter Perspektive bieten will. Das Publikum ist auf der Hinterbühne platziert und blickt durch einen schwarzen Gazevorhang in umgekehrter Richtung auf Bühne und Orchester. Der eigentliche Zuschauersaal ist in weite Ferne gerückt. Zu Beginn steht man allerdings erst mal vor verschlossenen Türen. Der Raum ist zugesperrt, leise Irritation macht sich breit – als plötzlich im Foyer ein hymnischer Gesang anhebt. Vier weißgewandete Sängerinnen des Kinderchors tragen eine überlebensgroße Büste der Komponistin die Treppen hinab und stellen sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Die Welt von gestern

Nadia Boulanger, die von 1887 bis 1979 lebte, ist eine zentrale Figur der Musik der Moderne – und dennoch sowohl als Mensch wie als Künstlerin nur sehr schwer fassbar. «Sie ist die Musik in Person», sagte Paul Valéry einmal über sie und fügte hinzu: «Die Musik krönte sich für sie stets mit Intelligenz.» Von ihrem Wirken als Komponistin zeugen zahlreiche Werke aus...

Gelegenheit zum Staunen

Als «einziger Elefant» wollte sie nicht übrigbleiben, erklärte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Es habe einfach keine Kollegen mehr «auf diesem Niveau» gegeben. So begründete Grace Bumbry ihren Rückzug von der Bühne: selbstbewusst, direkt, vielleicht eine Spur divenhaft. Vor allem aber angstfrei. Eine Haltung, mit der sie sich einst auch gegenüber Herbert...

Der Augenblick der Liebe

Michael Spyres begeistert und verzückt die Opernwelt seit vielen Jahren. Seine Stimme schwingt sich scheinbar mühelos in höchste Höhen auf, Koloraturen sprudeln nur so aus ihm heraus, Langstreckenopern wie Meyerbeers «Les Huguenots» oder Rossinis «Guillaume Tell» in der Urfassung bewältigt er mit nie versiegender Energie. Das Repertoire des 1979 geborenen Sängers...