Genius Loci
An lauen Sommerabenden erfüllt den Besucher in den Kuranlagen von Bad Lauchstädt die melancholische Poesie der Goethe-Zeit. Ein blau umpflanzter Schwanenteich, schwefelgelbe Arkaden (die Werther-Farben!), gepflegte Kiesalleen, liebevoll restaurierte Ball- und Wirtschaftshäuser. Über die Wiese grüßt der quadratische Herzogspavillon. Jeden Augenblick glaubt man, das Personal aus den «Wahlverwandtschaften» um die Ecke biegen zu sehen. Seit 1761 wird für die Kurgäste Sommertheater gespielt, seit 1791 durch die Weimarer Hofschauspielergesellschaft unter Goethe.
1802 ließ er in zwölf Wochen das Theaterhaus neben dem Schloss errichten. Es ist mit Teilen der Bühnenmaschinerie weitgehend originalgetreu erhalten, allerdings mehrfach rekonstruiert. Die rundum hölzerne Ausstattung sichert historischen Instrumenten einen warmen, raumfüllenden Klang. Ein magischer Ort für eine Opera seria wie «Cleofide», die Johann Adolf Hasse 1731 im Auftrag des Dresdener Kurprinzen als Starvehikel für seine Frau Faustina Bordoni komponierte. Das Leipziger Bachfest 2012 brachte sie hier zweimal zur Aufführung. Bach gehörte zu Hasses Bewunderern. Michael Hofstetter, der mit höchster Energie alles aus der ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Boris Kehrmann
«Geschafft!», muss der Musiktheaterfreund dem Buchtitel entgegnen. «Zu schauen kam ich…», diesen Halbsatz des zum Wanderer gewandelten Wotan, hat die renommierte Theaterfotografin Monika Rittershaus als Titel ihres Doku-Bandes über Wagners «Ring des Nibelungen» gewählt. «…nicht zu schaffen», geht der Satz weiter – und dem ist eben zu widersprechen: Das Frankfurter...
Die Sache lässt ihn einfach nicht los. Was tun mit Monteverdis perfide schillernder «Poppea»? Wie sollen wir es halten mit einem Stück von Shakespeare’schem Format, das nur skizzenhaft, in zwei unterschiedlichen Manuskripten (Venedig und Neapel) überliefert ist und vermutlich mindestens drei weitere Autoren (Cavalli, Ferrari, Sacrati) hat? Schon einmal, gegen Ende...
Die philosophische Welt feiert in diesem Jahr den 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau. Der Prediger des Natürlichen hatte zwei Gegenspieler: als Philosophen den brillanten Voltaire, als Musiker den gelehrten Jean-Philippe Rameau. Dessen Opernerstling «Hippolyte et Aricie» stand im Palais Garnier auf dem Spielplan. Rameau schrieb ihn 1733 im Alter von fünfzig...
