Das Entscheidende steht nicht in den Noten
Herr Thielemann, der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus hat sinngemäß einmal gesagt, ein Dirigent sei halb Feldherr, halb Zauberer. Wie sehen Sie sich selbst?
Das mit dem Zauberer gefällt mir. Ein Zauberer muss ja auch auf Menschen einwirken. Manchmal mit Tricks (lacht), vor allem aber mit Handwerk und Hintergrund. Wie man die Fäden zieht, hängt von den Mitspielern ab. Wenn man sich gut versteht, läuft alles wie von selbst. Es gibt aber immer wieder menschlich interessante Situationen, in denen man klare Ansagen machen muss.
Und dann geben Sie den Feldherrn...
Früher war das wohl manchmal so. Wenn man jung ist, trifft man nicht immer den richtigen Ton. Man will alles, ist ungeduldig und vergisst, dass man sich in jedem Orchester das Vertrauen der Musiker erst mal erarbeiten muss. Da kann viel schieflaufen. Aber aus Fehlern lernt man ja. Ich habe einiges Lehrgeld bezahlt. Mit der Erfahrung kommt langsam die Entspannung.
Ohne Autorität geht es aber nun mal nicht, wenn Sie achtzig, hundert Individualisten auf Linie bringen müssen...
Im ganzen Leben geht es nicht ohne Autorität. Das gilt nicht nur für Dirigenten. Ein Dirigent muss aber vor allem gut zuhören, gut begleiten können. Er muss ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Interview I, Seite 18
von Albrecht Thiemann
Wolfgang Quetes hat sich nach acht Jahren als Generalintendant aus Münster verabschiedet. Es spricht für ihn, dass er sich den Abschied mit seiner letzten Inszenierung nicht leicht, sondern besonders schwer gemacht hat. Webers 1826 für London komponierter «Oberon» ist – so Carl Dahlhaus – «weder ‹Oper› noch ‹Musikdrama›, sondern im Wortsinn ‹Musiktheater›»: eine...
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Willkommen in der Welt der Posen. Warum sollte ein Opernsänger nicht Ronaldos Pfauengehabe imitieren? Willkommen in der Welt des Halls, der die Stimme riesenhaft schwellen lässt. Welche Zauberkunst war es, die ihr in der tiefen Lage bassbaritonale Fülle geschenkt hat und in der Höhe (klanglich seltsam abgekoppelt von der mittleren Lage) tenorale Töne, die an den...
