Eine schöne Vision
Programmatisch war die Idee nicht sonderlich kühn – «Eugen Onegin» kennt in Russland jedes Kind. Personell hingegen schon. Doch am Ende erwies sich die Entscheidung der Oper Jekaterinburg, Dmitry Volkostrelov für eine Neuinszenierung von Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» zu verpflichten, als sehr gute Wahl. Volkostrelov ist eine außergewöhnliche Figur im Kulturleben Russlands. Einige Kritiker haben seine Regiearbeiten pauschal als «postdramatisch» tituliert. Das mag auf den ersten, oberflächlichen Blick zutreffen.
Letztlich aber zeichnen sich die Inszenierungen immer auch durch einen poetisch-romantischen Blick auf die Welt sowie eine hohe Musikalität aus. Dennoch hat Volkostrelov bislang kaum Opern inszeniert. Seine einzige Erfahrung war 2012 das in vielen Belangen problematische Musiktheater «Three Four» des zeitgenössischen deutsch-russischen Komponisten Boris Filanovsky. Seinerzeit sei er, so bekannte es Volkostrelov, nur wenig angetan von der Tatsache gewesen, dass ihm die Musik mitsamt ihren Festlegungen die Möglichkeit raubte, die Zeit zu kontrollieren.
Tempi passati. Volkostrelov scheint das Vertrauen zurückzugewonnen zu haben, über Zeit und Raum herrschen zu können, ohne ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Aya Makarova
Himmel, hilf! So wohl muss man die Worte verstehen, mit denen sich Ägyptens geplagte Königin an die Götter wendet, in der Hoffnung, sie mögen ihren Qualen ein Ende setzen. Gefühlt 99 Mal haucht Cleopatra die Worte «giusto ciel» in den imaginären Saal, und immer flehentlicher klingt diese évocation sentimentale, immer verzweifelter, vergeblicher. Keine Frage, die...
Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude...
Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.
Wie man sieht, muss sich...
