Fressen sie Kaninchen?
Ein alter Mann besucht eine Beerdigung. Dem Grab entsteigt ein kleines Mädchen, das ihn ärgert und das er deshalb an ein Seil bindet, während seine Gattin es lieber gleich erschießen würde. Aus dem Mädchen wird eine Teenagerin, die eine andere Teenagerin kennenlernt und mit ihr ein paar Dutzend Kinder bekommt. Aber leider wird sie von einem zufällig umherirrenden anderen Mann doch noch über den Haufen geschossen.
Absurde Handlung eines Off-Off-Independent-Films? Ambitioniertes Abschlussprojekt an einer Filmhochschule? Nein, sondern ungefähr das, was in der Bayerischen Staatsoper zu sehen ist, während gleichzeitig die Musik und der tschechische Text von Leoš Janáčeks «Schlauem Füchslein» laufen. Denn der Regisseur Barrie Kosky hat ein Problem mit dem Stück, nicht als Erster: dass, wenn das Kostümbild nur um Fuchshaarbreite danebenlangt, all die Tiermenschen oder Menschentiere aussehen wie aus einem tschechischen Kinderfilm der 1970er-Jahre. Also ungefähr so wie zuletzt bei Otto Schenk an der Wiener Staatsoper. Kosky demonstriert freilich auch, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn man alles Tierische nur um des Weglassens willen weglässt: Alles wird uneigentlich. ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Stallknecht
Faszinierend, wie produktiv ein Mensch als Schriftsteller und Komponist in einem hauptsächlich als Jurist verbrachten Leben sein kann. Zerknüllte Manuskriptseiten füllen am Münchner Gärtnerplatztheater bühnenhoch die Wände, die Sockel der über die Bühne verteilten Vitrinen verzeichnen nur einige der Werktitel E.T.A. Hoffmanns. Darunter die, die in die Oper über...
Wagners «Tristan und Isolde» in Nordhausen? In einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur 200 Menschen reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein geradezu aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem funktioniert er, und zwar mehr als beachtlich,...
Die Einschätzung war triftig: Als «Apokalypse im Familienmaßstab» bezeichnete Hanns Eisler den 1930 an der Oper Frankfurt uraufgeführten Einakter «Von heute auf morgen». Arnold Schönbergs Beitrag zum seinerzeit avancierten Zeitoperngenre, der in drastischen Farben die Ehekrise eines einander entfremdeten Paares schildert, bildete nun am gleichen Ort die Exposition...
