Kapitulation im Kostüm

Langgaard: Antikrist
BERLIN | DEUTSCHE OPER

Opernwelt - Logo

Von Rued Langgaard, Dänemarks genialischem Querdenker und -schreiber, gibt es vier oder fünf Werke, die international mehr Beachtung verdient hätten. Seine Oper «Antikrist» gehört nur bedingt dazu. Sie ist eine apokalyptische Rettungsoper, ein Mysterienspiel und folglich kompliziert auf die Bühne zu bringen; das Libretto ergibt keine dramaturgisch sinnvolle Handlung. Musikalisch lebt der «Antikrist» auch zu stark von Einschüben aus früheren Werken, nämlich aus der epochalen, Ligeti um fünfzig Jahre vorwegnehmenden «Sfærenes musik» und der sechsten Symphonie.

Mit diesen Selbstzitaten bestreitet Langgaard das hypnotisierende Vorspiel der Oper und den seraphischen Schlusschor; dazwischen liegt eine Stunde nicht sehr inspirierter Bruckner- und Wagner-Adaptionen; da alles Ariose vermieden ist, können die allegorischen Gestalten (Die große Hure, Die Lüge, Der Hass und so weiter) dem sonderbaren Stück auch keine vokalen Glanzlichter aufsetzen.

Dabei ist die Idee zu diesem eschatologischen Varieté eigentlich vielversprechend. Luzifer hat, mit Gottes Duldung, den Antichrist heraufbeschworen, der sich in verschiedener Gestalt den Menschen offenbart. Irrglaube, Materialismus und Nihilismus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Sophias Welt

Jede Aufführung von Donizettis «Lucia di Lammermoor» steht (oder fällt) mit der Besetzung der Titelrolle. Mit ihrer vokalen Pyrotechnik und exaltierten Gefühlsdialektik, die psychische Extremzustände wie mit dem Zoom zeigt, gehört die Partie zu den größten Herausforderungen im Reich des Gesangs. In Osnabrück überwältigt die junge Sopranistin Sophia Theodorides mit...

Im unbehausten Gehäuse

Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, jedenfalls nicht eins zu eins. Aber analoge Situationen lassen sich immerhin beobachten, zumindest nachträglich konstruieren. Vor gut 100 Jahren, mit Ende des Ersten Weltkriegs, führte mancherlei Not zu allerlei produktiven Provisorien. Auf die Opulenz von Hofmannsthals und Strauss’ «Frau ohne Schatten» folgte Strawinskys...

Fade Bowle

Ein Fluch scheint auf der Plattenfirma Naxos zu lasten: Die Firma ist mit ihrem vielseitigen und reichhaltigen Klassikrepertoire aus dem Musikleben nicht mehr wegzudenken, doch in Sachen Operette zieht sich eine fatale Glücklosigkeit wie ein schwarzer Faden durch die Geschichte dieses ehrwürdigen Labels. Kaum ein Produkt überzeugt, und einige Aufnahmen gehören...