Hektik im Hades
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese Requisite bereits in Jules Massenets «Cendrillon», seinem Regiedebüt an der Komischen Oper Berlin vor vier Jahren.
Wir werden damit leben lernen müssen wie mit dem Virus – Tristan und Isolde, Mimì, Elektra und Lulu – ihnen allen stehen noch interessante stationäre Aufenthalte bevor. Jetzt also hat es Euridice erwischt. Und zu diesem Zwecke darf sie schon im ersten Akt auftreten (oder besser: aufliegen), also zu einer Zeit, wo sie im Stück eigentlich gar nicht vorgesehen ist.
Solche Eingriffe sind auch dem Sujet geschuldet. Als Oper mit nur zwei Rollen gehört «Orfeo ed Euridice» zu den größten Herausforderungen für Regisseure. Schon Gluck fand, bei allem Reformwillen, die Personaldecke eindeutig zu dünn: Er stellte noch einen Amor ein und sorgte mittels Chor sogar für noch größere Belegschaft. Dramaturgisch (und übrigens ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Volker Tarnow
Diese Oper ist eine wahre Heldenreise – und zwar wortwörtlich. Am Anfang steht ein langweiliger Zoobesuch für Leon und Gereon, deren Aufmerksamkeit zunächst ihren Handys statt den Tieren gilt. Doch plötzlich beginnt der Löwe hinter ihnen zu sprechen, sein Käfig öffnet sich, und die beiden werden in eine Welt voller Zauber gezogen. Die Bühne verwandelt sich in einen...
Gleich zwei Ansagen muss Intendant Alain Perroux vor Beginn des Premierenabends machen: erstens, dass anstelle des positiv auf das Coronavirus getesteten Chefs der Strasbourger Philharmoniker Aziz Shokhakimov seine Assistentin Sora Elisabeth Lee die Premiere dirigieren werde. Und zweitens, dass aufgrund einiger positiv getesteter Orchestermitglieder nun fünf...
Die Einschätzung war triftig: Als «Apokalypse im Familienmaßstab» bezeichnete Hanns Eisler den 1930 an der Oper Frankfurt uraufgeführten Einakter «Von heute auf morgen». Arnold Schönbergs Beitrag zum seinerzeit avancierten Zeitoperngenre, der in drastischen Farben die Ehekrise eines einander entfremdeten Paares schildert, bildete nun am gleichen Ort die Exposition...
