Fremde in der Nacht
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete. Schweine haben grosso modo einen besseren Charakter als Menschen. Hinfällig hingegen sind beide Gattungen, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen: Das Schwein wird vom Menschen geschlachtet, dieser ist gebrechlich von Natur aus.
Das erkannte auch Giacomo Badoaro, als er das Libretto für Claudio Monteverdis spätes Dramma per musica «Il ritorno d’Ulisse in patria» verfasste. Also schuf er sogleich eine dazu passende Figur: L’humana fragiltà. Am Deutschen Nationaltheater Weimar erscheint diese vor dem Eisernen Vorhang als ein Subjekt der Verzweiflung. Vergeblich versucht der Countertenor Georg A. Bochow, während er singend klagt («Salvo è niente dal mio dente»), Wasser aus dem Hahn einer Stele herauszupressen. Doch da ist nichts. Kein einziger Tropfen. Sein Wissen darum, «ein sterblich’ Ding zu sein», offenbart sich in dieser ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Der Theaterregisseur Vladislavs Nastavševs hat in der Oper schon debütiert. Seine Inszenierung von Bizets «Perlenfischern» auf der Kammerbühne des Bolschoi Theaters vor einem Jahr – die Handlung spielte in einem Probenraum – bestach durch ihre szenische Klarheit. Für das Diptychon aus Prokofjews «Maddalena» und Ravels «L’heure espagnole» scharte Nastavševs nun...
Über Ruanda weiß man – wie über viele afrikanische Länder – zu wenig. Das, was man über Ruanda weiß, beschränkt sich in der Regel auf die Thematik des Genozids an den Tutsi, auf die Kolonialzeit. Die Installation «Rwandan Records» möchte – so verrät der Ankündigungstext – ein junges Ruanda zeigen, möchte den dort lebenden Menschen eine Stimme geben.
Hörbar gemacht...
Simon Laks wurde am 1. November 1901 in Warschau geboren. Am selben Tag wie der bedeutende Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt, der am 1. November 1901 in Strasbourg das noch recht optimistisch leuchtende Licht der Welt erblickte. Stuckenschmidt verbat man bereits 1934 das Schreiben und Publizieren, hatte er sich doch nachhaltig für jüdische Musikerinnen...
