Tänze auf dem Vulkan
Der Theaterregisseur Vladislavs Nastavševs hat in der Oper schon debütiert. Seine Inszenierung von Bizets «Perlenfischern» auf der Kammerbühne des Bolschoi Theaters vor einem Jahr – die Handlung spielte in einem Probenraum – bestach durch ihre szenische Klarheit. Für das Diptychon aus Prokofjews «Maddalena» und Ravels «L’heure espagnole» scharte Nastavševs nun ein Dutzend gut ausgebildeter Statisten um sich, die ihm dabei halfen, «gutes Wetter zu machen».
«Maddalena» ist eine verhängnisvolle Tragödie, in der junge Frauen und Männer der Intelligenzija zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eine Art «Corps de Ballet» für die sich stürmisch entwickelnde Handlung fungieren. Die «Femme fatale» (stilecht: Xenia Muslanova) bringt den leidenschaftlichen Genaro (sängerisch phänomenal: Alexander Tschernov) um den Verstand – und ebenso den eigentlich ausgeglichenen Stenio (überzeugend: Roman Bobrov). Jeder Wendepunkt wird mit unglaublicher Intensität gespielt, so als sei diese schreckliche Geschichte Spiegelbild der (zumindest in Russland) aggressiven Spätmoderne. Vertieft wird die Fragilität des Dramas noch durch die zornige Attitüde der Statisten.
In Ravels «L’heure espagnole» verwandeln sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Alexej Parin, Konstantin Nikischin
Vergessen Sie für einen Moment Mozart und seinen «Idomeneo», der die deprimierende Katharsis des originalen Librettos ins Gegenteil verkehrt. Der Plot ist zwar identisch: Kretas König Idomeneo verspricht Neptun für die Errettung aus einem Seesturm, den ersten Menschen zu töten, der ihm an Land begegnet, und stößt dann fatalerweise auf den eigenen Sohn. Bei Mozart...
Der Herr ist doch zu Haus. Kaum bricht das brachiale initiale Agamemnon-Motiv aus dem Orchester hervor, lässt er sich umständlich von einer Domestikendame in den Mantel helfen, um sich – auf dem Weg vom deutlich mit Patina überzogenen Wiener Palais zu einem Geschäftsgang in die Stadt – kurz noch mit einem übergriffigen Kuss über das junge Ding herzumachen. In...
Eine «ungewöhnliche Entdeckungsreise», die nach einer neuen Antwort auf die alte Frage sucht, was Musik eigentlich sei, ob sie sich selbst zum Gegenstand werden kann, also jenseits ihrer technischen Analyse wie ihrer emotionalen Wirkung einen «verborgenen Sinn» besitzt, den sie uns mitteilen will, verspricht Laurenz Lütteken den Lesern seines jüngsten, der...
