Flacher die Glocken nie klangen
Es dürfte sich wohl kaum um einen Zufall handeln, dass im zweiten Pandemie-Winter Bachs «Weihnachtsoratorium» gleich an drei deutschen Opernhäusern als szenisches Musiktheater auf die Bühne gebracht wird. Man könnte in dieser Häufung einen Hang zu neuer Spiritualität oder Tiefgründigkeit vermuten, nach denen es die Opernseelen dürstet, vielleicht aber auch einen gerade durch die Abstinenz erwachten Überdruss am alljährlichen Wiederholungszwang jener Repertoirekracher, die um die Jahreswende sonst die Spielpläne dominieren, weil die Tradition es so will.
Und die Sehnsucht nach einer kalorienreduzierten, asketischeren Alternative zur unvermeidlichen «Zauberflöte», zu «La Bohème» und «Hänsel und Gretel» oder den Ballett-Evergreens wie «Nussknacker» oder «Schwanensee». Nun sind barocke Oratorien schon längst kein Tabu mehr auf der Opernbühne. Seit John Neumeier vor 40 Jahren Bachs «Matthäuspassion» in Hamburg vertanzte, hat es unzählige erfolgreiche szenische Adaptionen der Bach-Passionen gegeben; auch Händels Oratorien, oder Alessandro Scarlattis «Cain» haben sich als ungemein bühnentauglich erwiesen, auch deshalb, weil sie eigentlich verkappte Opern sind.
Bachs «Weihnachtsoratorium» ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Regine Müller
Vielleicht ist die Spitze des Bleistifts, mit dem François-Xavier Roth an diesem Abend dirigiert, der Fluchtpunkt, jedenfalls das Kraftzentrum des Ganzen. Vielleicht hat er kurz zuvor mit eben diesem Stift noch Ausrufezeichen und das eine oder andere «Voilà!» in Humperdincks Partitur hineingeschrieben. Immerhin zählt er «Hänsel und Gretel» zu den am besten...
Herr Humm, Sie waren bisher ein sehr hohes Lebenstempo gewohnt. Jetzt wurden seit fast zwei Jahren viele Ihrer Engagements abgesagt. Wie geht es Ihnen mit dieser Entschleunigung?
Schwierige Frage. Ich merke, dass man Dinge, die schnell gehen müssen, wieder verlernt, wie das Kofferpacken, weil es nicht mehr so häufig und wichtig ist wie früher. Die ganze...
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und...
