Anstrengender als Onlineshopping!
Durch die Fensterfronten zucken die abendlichen Lichter des Alexanderplatzes. In der Raummitte zeigen Monitore, zu einem Altar aufgetürmt, flackernde Bilder von leeren Zuschauerreihen, Sängern und Darstellern in Aktion. Drumherum ein Schlagzeug, ein Kontrabass und ein Live-Elektronik-Set-up aus Laptop und Mischpult. Wie aus einer versunkenen Welt erschallen aus Lautsprechern Streichertöne und Gesangsfetzen, während die anwesenden Musiker zu Klängen aus der Konserve frei improvisieren.
Hin und wieder murmelt einer von ihnen schwer verständliche Worte in ein Mikrofon oder macht laute Schmatzgeräusche. Ein wildes Klangchaos. Wer nicht, wie der Schlagzeuger, in weiser Voraussicht einen Gehörschutz mitgebracht hat, den zieht es schnell nach draußen, wo als zweiter Teil der Installation ein digitaler Parcours aus QR-Codes wartet. Mit steifen Fingern und den Schal fest um Mund und Nase gewickelt, halten die Besucher ihre Smartphones in die Nachtluft und lauschen den Musikstücken hinter den Stationen.
Was sie hören, sind späte Streichquartette von Ludwig van Beethoven, Fragmente seiner unvollendeten 10. Sinfonie und Kompositionen von Michael Wertmüller, die dem experimentellen Geist ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors
Die trauen sich was in Bern! Erst einmal benennen sie das Theater um, in Bühnen Bern, was Sinn ergibt, da der alte, lange gültige Name (Konzert Theater Bern) so sperrig wie bürokratisch war. Dann engagiert der seit Beginn dieser Spielzeit amtierende Intendant Florian Scholz, der zuvor das Stadttheater in Klagenfurt durchaus gewinnbringend leitete, eine Opernnovizin...
Als «duftiges Amalgam» der Bestandteile des Opéra-comique-Prinzips hat Ulrich Schreiber Jules Massenets Oper «Manon» einmal bezeichnet. Was darin mitschwingt: Da setzt sich auf einer szenisch-musikalischen Ebene etwas in einer Ästhetik der Flüchtigkeit, der Momentaufnahmen zusammen: Die Oper, so könnte man es interpretieren, wird zum Film.
Peter Carp muss das...
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem...
