Fatale Begierde
Unter den Zahlen ist sie, wenn schon nicht die allein glückseligmachende, so doch zumindest die mit dem größten magischen Potenzial.
SiebenTage dauerte die Schöpfung, sieben Weltwunder sind verzeichnet, auf sieben fette folgen (der Josefsgeschichte zufolge) stets sieben magere Jahre, auch die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz sprechen eine deutliche (biblische) Sprache; und selbst die Poesie unseres Alltags verzeichnet die Zahl als bedeutsam, denken wir an die elegisch-existenziellen Refrainzeilen in Peter Maffays populärstem Lied: «Über sieben Brücken musst du geh’n, / sieben dunkle Jahre übersteh’n, / siebenmal wirst Du die Asche sein, / aber einmal auch der helle Schein» – was mit einiger Fantasie vielleicht sogar eine Anspielung auf die Lichtgestalt Gustav Mahler sein könnte, der anno 1860 am siebten Tag des siebten Monats das Licht jener Welt erblickte, der er später abhanden kam.
Kaum zufällig (der stoffliche Urgrund legt es nahe) spielt die Zauberzahl auch in Richard Strauss’ «Salome» eine hervorstechende Rolle: Siebenmal wiederholt die Tochter der Herodias, wonach sie verlangt, was sie konkret zu haben wünscht: «den Kopf des Jochanaan». Und hat der Tetrarch sechsmal ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Die Opernstadt Nancy macht von sich Reden, seit Intendant Matthieu Dussouillez dort etwas wagt. Gleich bei seinem Antritt 2019 hat er eine directrice musicale inthronisiert: Marta Gardolińska. Das Programm ist charmant, kalkulierte Wagnisse, wie etwa Paderewskis «Manru», inbegriffen. In Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» zum Saisonauftakt debütiert Marie...
Und der alte Cherubini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem petillanten Feuer, an den geistreichen eigenthümlichen Wendungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen [...]. Dabei ist alles so frei und keck und so höchst lebendig». Das schreibt...
Am Ende, wenn nach guten drei Stunden der Saal des Opernhauses zu Lille in orangerotem Licht erglüht, geschieht das bislang Ungesehene. Beim Auftritt der Solistinnen und Solisten herrscht ein Getrampel und Gejubel auf der Bühne, das seinesgleichen sucht. Dafür verantwortlich zeichnen Heerscharen von Kindern und Jugendlichen, die bei dieser Aufführung herausragend...
