Oper für alle
Oper muss endgültig aus dem Elfenbeinturm herabsteigen, sie muss Relevanz beweisen und für alle erfahrbar werden: Seitdem die Post-Corona-Leere die Theater im Griff hat, sind diese Forderungen noch häufiger zu hören als zuvor. Müssen wir also Musiktheater neu denken, damit es überlebt? Christina Gutiérrez Malmborm hat sich 2013 gesagt, sie wolle jetzt in der südschwedischen Provinz Småland schlichtweg «Oper machen». Besondere Vorkenntnisse in Sachen Musiktheaterproduktion habe sie nicht mitgebracht, «dafür eine Menge Verrücktheit und Sturheit».
Gespielt werden sollte auf Schwedisch, damit das Erleben unmittelbar und nicht über den Umweg der Übertitelanlage funktioniert. Malmborm suchte (und fand) darüber hinaus ungewöhnliche Orte; sie allein sollten Publikum anlocken. Und bereits im Folgejahr waren ein Dutzend Vorstellungen von Mozarts «Zauberflöte» (alias «Trollflöjten») restlos ausverkauft. Kein schlechter Start für die frischgebackene Produzentin auf dem für sie und Småland neuen Terrain. In den folgenden sechs Jahren wurde dann jeweils ein Bühnenwerk zur Premiere gebracht, mit reduziertem Orchester, lokalen und national tätigen Sängern, bald auch in Kooperation mit der ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Knies
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Ein Ausflug von Berlin nach Potsdam hebt meistens die Stimmung, aber zweimal pro Jahr gibt es für Musiktheaterfreunde einen wirklich guten Anlass: im Sommer zu den Musikfestspielen im zauberhaften Park von Sanssouci – und im November zur Winteroper der Kammerakademie Potsdam, die nach langjähriger Bauunterbrechung inzwischen wieder das barocke Schlosstheater im...
Der Erzähler bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: «It is a curious story.» In der Tat, es ist eine seltsame Geschichte. Schon die Vorlage zu Benjamin Brittens 1954 in Venedig uraufgeführter Oper «The Turn of the Screw» ist es, Henry James’ gleichnamige Novelle von 1898. Darin wird, verkürzt gesagt, eine der wesentlichen Fragen unserer Existenz gestellt: Ist...
