Everybody's Darling
Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner Peter Pears in der Uraufführung 1951 den Kapitän sang). Entsprechend oft hat man hier viel nackten Thorax gesehen. Viel geölte Muskeln.
Und Star-Sänger, für welche der Begriff – innerhalb der Queer-Community der Oper – nicht zu Unrecht gebildet wurde.
Die mit der Londoner English National Opera und dem Bolschoi Theater koproduzierte Inszenierung von David Alden geht einen anderen Weg. Der kleine, ungewaschene Kerl mit den fettigen Haaren, der hier als Zwangsrekrutierter an Bord der «Indomitable» kommt, fällt kaum weiter auf. Er ist ein Everyman’s Billy. So wird die Faszinationskraft, die er auf die Mannschaft ausübt, ganz und gar zum Gegenstand von Projektion und psychologischer Konstruktion. Eine Sichtweise, die zumindest der Roman-Vorlage von Herman Melville besser entsprechen dürfte als jede andere Interpretation. Das ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Kai Luehrs-Kaiser
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
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