Aus dem Leben eines Taugenichts
Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte schon fünfzehn Jahre auf der Bühne gestanden, da fand ich mich in einem dieser Flughafenbusse direkt neben der fiesesten Feder der Fleetstreet wieder. Mir wurde flau.
Beim Lesen meiner Kritiken hatte ich mir unsere Begegnung nämlich oft ausgemalt. Es würde hoch dramatisch, ganz große Oper sein, der Mann hinterrücks über mich herfallen. «SIE HABEN KEIN TALENT!», würde er kreischen und mir ein Messer zwischen die Schulterblätter rammen.
Was geschah stattdessen? Wir kamen ins Gespräch, und er entpuppte sich als ganz normaler Mensch. Schlimmer noch: Er schien sogar ganz nett. Es war enttäuschend.
Bisher steckte man als Sänger die Kinnhaken halt ein und weinte nachts leise in sein Kissen. Wenn’s ganz dicke kam, konnte man bei der Zeitung anrufen und sich aufregen. Habe ich mal gemacht. Da hatte mich jemand für ein Konzert ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Christopher Gillett
Der Letzte macht das Licht aus. Er hat es ja auch angemacht. In der Staatsoper Hannover dreht Leporello Glühbirnen in die kleinen Leuchten am Rampenrand, ehe das Spiel beginnt. Und am Ende werden sie wieder eingesammelt. Dazwischen gibt es ein erstaunliches Spiel mit Licht und Schatten, mit Erwartungen und Enthaltungen.
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