Editorial
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese verhagelt hätte. Nicht, weil Robin Ticciati mit seinem ersten Dirigat als Musical Director den neuen «Rosenkavalier» ramponiert oder Richard Jones ihn mit seiner ersten Strauss-Inszenierung britpopmäßig verblasen hätte.
Auch das singende Personal gab keinen Anlass zu heftigen Beschwerden – ums Singen ging es am wenigsten, als Kritiker renommierter britischer Tageszeitungen sich auf die irische Mezzosopranistin Tara Erraught einschossen. Mit despektierlichen Bemerkungen über deren körperliche Statur: «Plump» und «unansehnlich» sei das Wesen, das im Festspielhaus den Octavian gebe, ein «Bündel Babyspeck» ohne jede erotische Ausstrahlung. Eine Fehlbesetzung, befanden die Herren und wollten schon zur Tagesordnung übergehen, als ein Entrüstungssturm ausbrach, der quer durch Europa und bis nach Amerika fegte. Und das ist gut so.
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Emilio Arrieta (1821–1894) wusste, was man als Komponist einer Mäzenin wie Königin Isabella II. schuldet. Die zweite Oper, «La Conquista di Granata» (Die Eroberung von Granada) wurde 1850 am Madrider Hof uraufgeführt – und der in Mailand ausgebildete Navarreser tat darin alles, um die Vorgängerin seiner royalen Gönnerin ins beste Licht zu rücken.
Dass die Oper...
Der Letzte macht das Licht aus. Er hat es ja auch angemacht. In der Staatsoper Hannover dreht Leporello Glühbirnen in die kleinen Leuchten am Rampenrand, ehe das Spiel beginnt. Und am Ende werden sie wieder eingesammelt. Dazwischen gibt es ein erstaunliches Spiel mit Licht und Schatten, mit Erwartungen und Enthaltungen.
Was man allerdings nicht zu sehen bekommt, ist...
Diese Salzburger Werke-Ambition klingt nach ihm. «Jonny spielt auf», «Pilger von Mekka», «Eugen Onegin», «La clemenza di Tito»: Das hätte einst auch Gerard Mortier zu einer Sommersaison zusammenschnüren können. Doch verantwortlich dafür sind andere. Jene, die sich gegen die übermächtigen und ständigen (ob im Januar, zu Ostern, Pfingsten oder im August)...
