Schaum der Jahre
Blumentapete? Die Marschallin hält in stilisiert neoklassizistischen Gemächern Hof. So könnte heute ein Design-Hotel aussehen. Die pastellfarbenen Wände tragen großformatige Lilien – ein Adelssignet. Sophies Zimmer hat Paul Steinberg ebenfalls floral dekoriert, diesmal bürgerlicher, Richtung Jugendstil. Blumen auch im Beisl: ein psychedelisches 60er-Jahre-Muster. Der Bühnenbildner übersetzt die halb ironische, halb verklärende Nostalgie des «Rosenkavalier» in Retro-Schick.
Ein goldenes Waschbecken? Nein, allerdings steht Kate Royal, die Marschallin, am Anfang nackt in der Wanne und duscht. Müssen die Sänger sich verrenken? Eher nicht, ein paar quasi-choreografische Momente gibt es aber schon. Aufzuspringen und laut «Bingo!» zu rufen, weil typische Charakteristika einer Richard-Jones-Inszenierung zu finden sind, verkneifen wir uns: So etwas scheint einfach nicht angebracht auf diesem prachtvollen Anwesen, wo ein strenger Dresscode gilt, wo man sich in der Pause jederzeit das neueste Equipment des weltgewandten Profi-Picknickers vorführen lassen und – vorausgesetzt, man schaffte es von einem Beet zum anderen, ohne mit den High Heels im Rasen stecken zu bleiben – allerorten ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff
Emilio Arrieta (1821–1894) wusste, was man als Komponist einer Mäzenin wie Königin Isabella II. schuldet. Die zweite Oper, «La Conquista di Granata» (Die Eroberung von Granada) wurde 1850 am Madrider Hof uraufgeführt – und der in Mailand ausgebildete Navarreser tat darin alles, um die Vorgängerin seiner royalen Gönnerin ins beste Licht zu rücken.
Dass die Oper...
Müssen wir uns den Hagener Intendanten Norbert Hilchenbach als glücklichen Menschen vorstellen? So wie Albert Camus den mythischen Sisyphos und dessen hoffnungslose Mühsal in seinem berühmten Essay als Glück beschrieb? Schon bevor Hilchenbach 2007 sein Amt antrat, hatte das Haus mit Existenznöten zu kämpfen. Seither hat sich die Lage weiter verschärft, doch der...
Vorbei sind die Zeiten, in denen einst klingende Namen wie Antonio Caldara und Leonardo Vinci allenfalls einigen Spezialisten oder besonders leidenschaftlichen Liebhabern der Barockoper vertraut waren. Vor einigen Jahren hat etwa Philippe Jaroussky mit seinem Album «Caldara in Vienna» nachdrücklich auf den großen Wiener Hofkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts...
