Schaum der Jahre

Richard Jones inszeniert in Glyndebourne einen amüsanten «Rosenkavalier». Am Pult steht Robin Ticciati

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Blumentapete? Die Marschallin hält in stilisiert neoklassizistischen Gemächern Hof. So könnte heute ein Design-Hotel aussehen. Die pastellfarbenen Wände tragen großformatige Lilien – ein Adelssignet. Sophies Zimmer hat Paul Steinberg ebenfalls floral dekoriert, diesmal bürgerlicher, Richtung Jugendstil. Blumen auch im Beisl: ein psychedelisches 60er-Jahre-Muster. Der Bühnenbildner übersetzt die halb ironische, halb verklärende Nostalgie des «Rosenkavalier» in Retro-Schick.

Ein goldenes Waschbecken? Nein, allerdings steht Kate Royal, die Marschallin, am Anfang  nackt in der Wanne und duscht. Müssen die Sänger sich verrenken? Eher nicht, ein paar quasi-choreografische Momente gibt es aber schon. Aufzuspringen und laut «Bingo!» zu rufen, weil typische Charakteristika einer Richard-Jones-Inszenierung zu finden sind, verkneifen wir uns: So etwas scheint einfach nicht angebracht auf diesem prachtvollen Anwesen, wo ein strenger Dresscode gilt, wo man sich in der Pause jederzeit das neueste Equipment des weltgewandten Profi-Picknickers vorführen lassen und – vorausgesetzt, man schaffte es von einem Beet zum anderen, ohne mit den High Heels im Rasen stecken zu bleiben – allerorten ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff

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