Es fehlt an allem
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen innerhalb einer Saison anschlossen.
Das Libretto von Felice Romani, der dann Bellinis «Hausautor» wurde, geht auf ein Drama des englischen Gothic-novel-Autors Charles Robert Maturin («Melmoth der Wanderer») zurück, dessen Schauer-Aspekte in der Oper aber gänzlich eliminiert wurden. Ob die geschickte dramaturgische Anlage des Buches oder die große Herausforderung, für die Scala zu schreiben, die Ursache war – jedenfalls mobilisierte Bellini bei dieser Oper seine bis dahin schlummernden Fähigkeiten. Das Resultat ist nicht allein eine Partitur von großer melodischer Einfallskraft, sondern zugleich ein neuartiges Musikdrama, das in manchen Zügen den reiferen Donizetti und den frühen Verdi vorwegnimmt.
Wie so viele Werke des romantischen Belcanto-Repertoires verschwand auch «II pirata» nach einer glanzvollen Laufzeit an allen großen ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 27
von Ekkehard Pluta
In der 41. Minute passiert es dann doch. Das vorher ziemlich brave Ulmer Publikum revoltiert kurz, aber herzhaft. «Des isch kei Kunscht», brüllt eine enervierte Dame, die gleich darauf mit ihrem Begleiter polternd den Saal verlässt. Weitere Zwischenrufe folgen, es gibt größere Abwanderungsbewegungen. Schon erstaunlich, wie John Cage, dessen hundertsten Geburtstag...
Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle,...
Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von allerehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auftakt, medial gefeiert...
