Erfrischend natürlich
Wir wissen natürlich nicht, was genau sich da in der Einkaufstüte befand, als Papst Franziskus Anfang des Jahres einen römischen Schallplattenladen verließ. Dessen Besitzer gab lediglich bekannt, er habe seinem prominenten Kunden eine Schallplatte mit Musik von Mozart geschenkt. Wir hätten freilich für den klassische Musik liebenden Heiligen Vater schon das richtige Geschenk anbieten können: «Mozart made in Salzburg» heißt die 18 Nummern umfassende, sehr persönliche Liebeserklärung des jungen Salzburger Baritons Rafael Fingerlos an seinen genialen Landsmann.
Als in Pandemiezeiten öffentliche Auftritte nicht möglich waren, produzierte der aufstrebende Sänger, der sich mit originellen «Konzeptalben» und bemerkenswerten Lied-CDs einen Namen gemacht (und zwischenzeitlich sein Engagement an der Wiener Staatsoper gegen freiberufliche Verpflichtungen eingetauscht hat), das «Heimspiel» einfach selbst. Als kundige Mitstreiter engagierte er das Mozarteumorchester und dessen 86-jährigen ehemaligen Chefdirigenten Leopold Hager, immerhin «Entdecker» der Jugendopern Mozarts. Den abwechslungsreichen Strauß aus Gusto-Stücken des Repertoires, Konzertund Einlagearien und Liedern (in ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 30
von Karl Harb
Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....
Am 26. März 1943 wurde Eugen Engel – 1875 im damals ostpreußischen Widminnen geboren – im Konzentrationslager Sobibor von den Nationalsozialisten ermordet. Noch als Jugendlicher nach Berlin gekommen, war der Halb-Autodidakt gern und oft gesehener Gast in der Oper – die entsprechenden Partituren hatte er stets im Gepäck. Obwohl eigentlich gelernter Kaufmann, nahm...
Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich kenne, die aber diesem Krieg...
