Erfrischend natürlich
Wir wissen natürlich nicht, was genau sich da in der Einkaufstüte befand, als Papst Franziskus Anfang des Jahres einen römischen Schallplattenladen verließ. Dessen Besitzer gab lediglich bekannt, er habe seinem prominenten Kunden eine Schallplatte mit Musik von Mozart geschenkt. Wir hätten freilich für den klassische Musik liebenden Heiligen Vater schon das richtige Geschenk anbieten können: «Mozart made in Salzburg» heißt die 18 Nummern umfassende, sehr persönliche Liebeserklärung des jungen Salzburger Baritons Rafael Fingerlos an seinen genialen Landsmann.
Als in Pandemiezeiten öffentliche Auftritte nicht möglich waren, produzierte der aufstrebende Sänger, der sich mit originellen «Konzeptalben» und bemerkenswerten Lied-CDs einen Namen gemacht (und zwischenzeitlich sein Engagement an der Wiener Staatsoper gegen freiberufliche Verpflichtungen eingetauscht hat), das «Heimspiel» einfach selbst. Als kundige Mitstreiter engagierte er das Mozarteumorchester und dessen 86-jährigen ehemaligen Chefdirigenten Leopold Hager, immerhin «Entdecker» der Jugendopern Mozarts. Den abwechslungsreichen Strauß aus Gusto-Stücken des Repertoires, Konzertund Einlagearien und Liedern (in ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 30
von Karl Harb
Es ist nicht überliefert, ob Emilia Marty, diese durch und durch erstaunliche Frau, eine eifrige Leserin der Schriften von Søren Kierkegaard war. Genügend Gründe, sich zumindest in eines seiner Traktate zu vertiefen («Die Wiederholung» von 1843), hätte die gute Emilia jedoch auf jeden Fall gehabt. Denn dortselbst findet sich ein Satz, der ziemlich genau beschreibt,...
Erstaunlich, was eine Stimme so alles kann. Krakeelen kann sie, krächzen, kichern, krähen, kratzen, klopfen, klagen, kreischen. Und sie kann noch mehr: stammeln, stöhnen, seufzen, schwärmen und schreien. Das sei zu viel der geräuschhaften Zumutungen? Nicht, wenn der Komponist Jörg Widmann heißt und die Interpretin Sarah Aristidou. Zehn Minuten lang mäandert sie in...
Ekstatisch bricht das Trommelgewitter los. Es kündet von der Geburt des Johannes. Bald schon breitet sich – von den tiefen Streichern ausgehend, durch die Instrumentengruppen wandernd, Töne und Akkorde je nach Lage in verschiedenen Farben und Intensitäten beleuchtend – ein samtener Klangteppich aus: Paradoxon statischer Bewegung. Eine gute halbe Stunde spricht...
