Schöne Schwäne

Tidrow: Der Häßliche DORTMUND | OPER

Opernwelt - Logo

Thierry Tidrows Oper «Der Häßliche» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Marius von Mayenburg (und auf ein Libretto von Manfred Weiß) trifft den Nerv der Zeit: In den Kinos lief parallel zur Dortmunder Uraufführung Karoline Herfurths Film «Wunderschön». Auch die Inszenierung von Zuzana Masaryk setzt sich – ernst, absurd, kurzweilig – mit Schönheitsidealen und Optimierungswahn auseinander. Emine Güners Bühne im kleinen Untergeschoss ist von beredter Schlichtheit: In der Mitte ein schwarz-weißer, drehbarer Designertisch.

Davor sitzt zu Beginn, während die ausgedünnten Dortmunder Philharmoniker einen dissonanten Klangteppich weben, Lette, schockiert. Eigentlich wollte er selbst seine Erfindung bei einem Kongress vorstellen, aber sein Chef hat entschieden, die Präsentation dem Assistenten Karlmann zu überlassen. Lette versteht nicht, wie ihm geschieht. Als er nicht lockerlässt, verrät ihm seine Frau den Grund: Er ist unfassbar hässlich. Deshalb blickt sie ihm auch nie ins Gesicht.

Zusammen gehen sie zum Schönheitschirurgen Dr. Scheffler, der ebenfalls entsetzt ist. Lette sei so hässlich, dass eine Operation nichts von seinem Gesicht übriglassen könne. Der Patient willigt dennoch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Sophie Emilie Beha

Weitere Beiträge
Auf der Suche nach dem Unterbewussten

Herr Currentzis, am Opernhaus von Perm haben Sie das Privileg der völligen künstlerischen Freiheit genossen, sind aber kürzlich nach Sankt Petersburg gezogen, wo Ihnen im Grunde nur ein experimenteller Proberaum zur Verfügung steht – «Dom Radio». Fehlt Ihnen als überaus theatralischem Menschen, der Sie selbst noch in Ihren Konzerten sind, nicht der Duft des...

Ein Hauch von Unwirklichem

Eine Zeitreise verspricht Kindern eigentlich reizvolle Abenteuer und großes Amüsement, insbesondere dann, wenn sie sich in das Paris des Jahres 1860 begeben dürfen. Die Realität aber sieht anders aus: Gioachino Rossinis Schlafzimmer bietet nichts als blanken Ennui. Seit Jahrzehnten hat der «Schwan von Pesaro» kaum mehr eine Note zu Papier gebracht. Selbst am Herd...

Hinter Mauern

Bianca e Falliero» ist die fünfte Oper, die der vielbeschäftigte Rossini 1819 schrieb – allerdings nicht für Neapel, wo er seit 1815 als Hauskomponist tätig war, sondern für Mailand. Stendhal hielt sie für missglückt, sie geriet schnell in Vergessenheit. Selbst prominente Rettungsversuche bei den Rossini-Festivals in Pesaro 1986 und Bad Wildbad 2015 konnten das...