Erlösungstraum: Barbara Hannigan (Mélisande), Leigh Melrose (Golaud). Foto: Ursula Kaufmann
Ende gut, alles gut?
Reichlich leerformelhaft hat Johan Simons seine jetzt zu Ende gegangene Intendanz der Ruhrtriennale 2015-2017 mit dem Motto «Seid umschlungen» als ein «Festival der gemeinsamen Erfahrungen» – regionalen, menschlichen, politischen – reklamiert.
Die programmatische Ausrichtung eines «Festivals der Künste» hat er von seinem Vorgänger Heiner Goebbels übernommen, den Rahmen der grenz- und spartenübergreifenden Experimente mit der Einbeziehung von Installationen, Performances, Raummusik-Konzerten und der Videokunst sowie der Etablierung eines permanenten Festivalzentrums vor der Bochumer Jahrhunderthalle allerdings noch weiter gefasst, das Tanztheater aufgewertet und dem zuletzt arg vernachlässigten Schauspiel seinen Platz zurückgegeben. Luc Percevals Émile-Zola-Trilogie und die Dante-Trilogie des Choreografen Richard Siegal markierten denn auch kaum zufällig Höhepunkte seiner Intendanz. Popkonzerte, das verrückte Kunstdorf «The Good, the Bad and the Ugly» oder ein Projekt wie das Hip-Hop-Puppen-Tanztheater The Broke ‘N’ Beat Collective sprachen neue, jüngere Publikumsschichten an. Und mit der Zeche Lohberg in Dinslaken kam ein weiterer Spielort zu den bewährten Industriearchitekturen ...
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Opernwelt November 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert, Michael Struck-Schloen, Jürgen Otten & Regine Müller
Welcher Dirigent kann schon von sich sagen, dass er in einem Jahr gleich zwei neue Häuser eröffnet hat? Sie haben Anfang März zum ersten Mal im neuen Pierre Boulez Saal dirigiert, Anfang Oktober in der frisch restaurierten Lindenoper. Es gab Verrisse und Lob. Sind Sie zufrieden mit Ihren Kritikern, Herr Barenboim?
Dass ich lieber ein modernes Haus haben wollte, ein...
Reinhard Goebel, einer der seriösesten und experimentierfreudigsten Alte-Musik-Pioniere aus Deutschland, hat einmal von einem Kammermusikkurs in Salzburg berichtet, bei dem er in die Runde fragte, ob sich jemand dezidiert mit den Hintergründen der gespielten Musik beschäftigt habe. Worauf eine französische Streicherin abwimmelte: Vorworte lese sie prinzipiell...
Zum Auftakt seiner letzten Saison als Dortmunds Intendant hat sich Jens-Daniel Herzog mit «Arabella» ein Werk vorgenommen, dass nicht ohne ist. Zwar knüpft dessen Klangwelt bewusst an die bitter-frivole Süße des «Rosenkavaliers» an und spielt ebenfalls in Wien. Doch liegen mehr als 20 Jahre zwischen beiden Opern, feiert «Arabella» zudem ein rückständiges...
