Jennifer Holloway (Cassandre) und Christa Mayer (Didon), Foto: Theater/Daniel Koch
Heldenlos
Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht reagierte, oder der nigerianische Dichter Ken Saro-Wiwa, der sich gegen die Zerstörung seines Landes durch den Shell-Konzern stellte und deswegen 1995 hingerichtet wurde.
Leider finden sie, genauso wie Millionen namenloser Helden, denen die Idee von Freiheit und Gerechtigkeit lieber war als ihr eigenes Leben, keinen Weg auf die Opernbühne. So bleiben die Herren Achill und Hektor, Aeneas und Agamemnon ohne zeitgenössische Konkurrenz, müssen es sich aber gefallen lassen, dass wir aus ihnen traurige Gestalten machen.
Das tat schon Hector (!) Berlioz im Vierstundenepos «Les Troyens». Sein eigenhändig aus Vergil zusammengebasteltes Libretto zeigt einen recht anämischen Aeneas, und der torkelt jetzt in Dresden derart unbeholfen durch Troja und Karthago, dass noch die letzten Erinnerungsspuren antiker Größe (oder Lektüre) ...
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