Jennifer Holloway (Cassandre) und Christa Mayer (Didon), Foto: Theater/Daniel Koch
Heldenlos
Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht reagierte, oder der nigerianische Dichter Ken Saro-Wiwa, der sich gegen die Zerstörung seines Landes durch den Shell-Konzern stellte und deswegen 1995 hingerichtet wurde.
Leider finden sie, genauso wie Millionen namenloser Helden, denen die Idee von Freiheit und Gerechtigkeit lieber war als ihr eigenes Leben, keinen Weg auf die Opernbühne. So bleiben die Herren Achill und Hektor, Aeneas und Agamemnon ohne zeitgenössische Konkurrenz, müssen es sich aber gefallen lassen, dass wir aus ihnen traurige Gestalten machen.
Das tat schon Hector (!) Berlioz im Vierstundenepos «Les Troyens». Sein eigenhändig aus Vergil zusammengebasteltes Libretto zeigt einen recht anämischen Aeneas, und der torkelt jetzt in Dresden derart unbeholfen durch Troja und Karthago, dass noch die letzten Erinnerungsspuren antiker Größe (oder Lektüre) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aus Gérard Corbiaus Film «Farinelli» ist jene Szene in Erinnerung geblieben, in der der Kastraten-Superstar mit seinem komponierenden Bruder Riccardo Broschi wegen dessen allzu schematischer Arien-Produktion hadert. Er setzt sich ans Cembalo, um die melodisch, rhythmisch und harmonisch allzu formelhaften Vehikel zur Demonstration bloßer vokaler Virtuosität samt...
Kaum zu glauben: Der Tenor René Kollo wird am 20. November 80 Jahre alt. Bis heute ist er aktiv und im Gespräch. Nicht mehr nur als Sänger, sondern auch als Autor von Büchern (darunter eines über Wagner sowie ein Kriminalroman) und streitbarer Kommentator des sogenannten Regietheaters in Bayreuth und anderswo. Der Operngesang stand zwar im Zentrum seiner Karriere,...
Sie wollen ihn ganz alleine, ohne den notorisch davorgeklemmten Namen seines Librettisten William Schwenck Gilbert: Die Mitglieder der 2009 gegründeten Deutschen Sullivan-Gesellschaft sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, Sir Arthur nicht nur als Teil eines der berühmtesten Duos der Operngeschichte zu betrachten, sondern als umfassend kompetenten Komponisten,...
