Oberwasser
Im Mindener Stadttheater, 526 Plätze klein, fehlt nicht viel, und diejenigen, die in der ersten Parkettreihe sitzen, könnten sich am Schwert Nothung schneiden oder den Drachen Fafner am Schwanz fassen. In dem schwarzlichtern sich windenden Monster verbergen sich Schüler des örtlichen Ratsgymnasiums. Doch wer deshalb meint, das Wagnerwunder von Minden in Westfalen sei nicht so wichtig, vielleicht nur eine lokale Privatposse, Liebhaberei einiger weniger durchgeknallter Wagnerianer, der irrt.
2002, mit dem «Fliegenden Holländer», ging das los.
Jetzt ist der Mindener «Ring»-Zyklus mit dem «Siegfried» beim dritten Teilstück angelangt, als siebte Produktion einer federführend vom Richard Wagner Verband Minden gestemmten Wagner-Opern-Serie, die von Anfang an professionell und mit besten Kräften ausgestattet worden war. Rasch stellte sich Erfolg ein, der Ruf des «Mindener Modells» breitet sich aus. Vorbildlich daran vor allem das bürgerschaftliche Engagement für Kultur. Modellhaft aber auch, dass Orchester und Dirigent aus Platzgründen auf der Hauptbühne agieren, das Aktionsfeld der Sänger also vorverlagert wird, auf den überdachten Orchestergraben und ins Proszenium. Sie singen folglich ...
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Schon mit dem ersten Satz seines Kommentars zur Duett-Platte Rolando Villazóns und Ildar Abdrazakovs gelingt dem Autor die treffende Kritik: «Es ist nichts weniger als ein Gipfeltreffen dreier Operngrößen.» Tatsächlich ist es nicht weniger als ein Commercial geworden: vielleicht die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen mit einem vom Gipfel abgestürzten Tenor;...
Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...
Das bedrückende Gattungsmuster «tragédie» meidet er bewusst: Eine «Trilogie lyrique» nennt Aribert Reimann seine neue Oper nach drei Einaktern Maurice Maeterlincks. Es gilt, dreifach beklemmend, den Tod zu besingen und zu beschwören – um ihn melodramatisch zu feiern. «L’Invisible» ist die neunte Oper des inzwischen 81-Jährigen, der immer agil wirkt, die fünfte...
