Oberwasser

Wagner: Siegfried Minden | Stadttheater

Opernwelt - Logo

Im Mindener Stadttheater, 526 Plätze klein, fehlt nicht viel, und diejenigen, die in der ersten Parkettreihe sitzen, könnten sich am Schwert Nothung schneiden oder den Drachen Fafner am Schwanz fassen. In dem schwarzlichtern sich windenden Monster verbergen sich Schüler des örtlichen Ratsgymnasiums. Doch wer deshalb meint, das Wagnerwunder von Minden in Westfalen sei nicht so wichtig, vielleicht nur eine lokale Privatposse, Liebhaberei einiger weniger durchgeknallter Wagnerianer, der irrt.

2002, mit dem «Fliegenden Holländer», ging das los.

Jetzt ist der Mindener «Ring»-Zyklus mit dem «Siegfried» beim dritten Teilstück angelangt, als siebte Produktion einer federführend vom Richard Wagner Verband Minden gestemmten Wagner-Opern-Serie, die von Anfang an professionell und mit besten Kräften ausgestattet worden war. Rasch stellte sich Erfolg ein, der Ruf des «Mindener Modells» breitet sich aus. Vorbildlich daran vor allem das bürgerschaftliche Engagement für Kultur. Modellhaft aber auch, dass Orchester und Dirigent aus Platzgründen auf der Hauptbühne agieren, das Aktionsfeld der Sänger also vorverlagert wird, auf den überdachten Orchestergraben und ins Proszenium. Sie singen folglich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2017
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Eleonore Büning

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial November 2017

Wenn uns die (Musik-)Geschichte eines lehrt, dann dieses: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch all jene Musenkinder, die der Wiedereröffnung der Berliner Lindenoper sehnsuchtsvoll entgegengefiebert hatten, sahen sich, nolens volens, mit dieser Einsicht konfrontiert. Denn in die berechtigte Freude über die Tatsache, dass sieben Jahre im Charlottenburger...

Subtile Wortkünstler

«Der Faschismus läuft  auf eine Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus», schrieb Walter Benjamin in seinem epochalen Aufsatz «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» von 1935; «der Kommunismus antwortet ihm mit der Politisierung der Kunst»  – wie es Hanns Eisler tat, der 1931 ein Lied zum «Lob des Kommunismus» komponierte und 18...

Inspiriert

Vor einigen Monaten beklagte Reinhard Goebel, Gründer und langjähriger Leiter des legendären Ensembles Musica Antiqua Köln, eine überbordende Entdeckerwut der Alte-Musik-Szene: Es würden viel zu viele Werke ans Tageslicht befördert, die man lieber im Staub der Archive hätte weiterschlafen lassen sollen. Die Kompositionen, die auf den hier vorzustellenden Alben zum...