Im Dickicht der Dialektik
Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien freigesetzt werden wie in der Verfilmung der biblischen Geschichte mit Gina Lollobrigida. Nein, weil sie sofort gebrochen sind. Verführung führt hier nicht zum Glück. Verführung führt direkt ins Verderben.
Die Welt, vor allem die US-amerikanische, ist schlecht. Und nichts ungeheurer, scheußlicher als ihr männlicher Teil.
«Molto agitato» heißt die Eröffnungspremiere dieser Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, sie ersetzt die geplante «Boris Godunow»-Inszenierung von Frank Castorf. Der Regisseur verknüpft stattdessen Werke von Händel, Ligeti, Brahms und Weill, und dies auf obsessive, höchst raffinierte Weise. Man muss sich förmlich hineinzwängen in das dialektische Dickicht, um zu verstehen, dass hinter der slapstickhaften Monotonie der Aktionen eine harsche moralische Anklage wohnt. Castorf rechnet ab mit allen, die den ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten
Gemeinhin gilt eine Filmmusik dann als adäquat, wenn sie hinter oder unter den Bildern so verschwindet, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt: Musik als Funktionsträger, als Geschmacksverstärker. Damit hat freilich der 61-jährige Kölner Johannes Kalitzke nichts am Hut. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Komponist und Dirigent (nicht nur in eigener Sache)...
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...
Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den...
