Frauenleben und -leiden

Weniger ist manchmal mehr: Francis Poulencs «La voix humaine» in Dessau, Georg Kreislers «Lola blau» in Chemnitz

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Programmatisch betrachtet, hat so eine Pandemie durchaus auch ihre guten Seiten. Denn gewiss würden die Opernhäuser Stücke, die sonst kaum eine Lobby haben, ohne Einschränkungen auf und vor der Bühne nicht auf ihre derzeitigen Spielpläne setzen. Ein Beispiel: das Anhaltische Theater in Dessau, wo Francis Poulencs Einpersonenstück «La voix humaine» herauskam, freilich nicht in der Orchesterfassung, sondern mit begleitendem Pianist und in deutscher Übersetzung.

Dass die Handlung dieses 1959 uraufgeführten Monodramas für eine Sängerin und Telefon nach einem Theaterstück Jean Cocteaus komplett ins Innere verlegt ist, findet in der minimalistischen Bühne von Johannes Weigand seine Entsprechung: Das Publikum blickt von einer im Bühnenraum platzierten mobilen Zuschauertribüne auf einen grauen, nach vorne geneigten, halbgeöffneten Kubus. Auf dessen Grundfläche befindet sich noch einmal ein weißer Quader – das Bett, das den Raum in ein Schlafzimmer verwandelt und als einziges Requisit neben dem stets griffbereiten Telefonapparat im Libretto vorgeschrieben ist.

Eine Stunde lang ist zu sehen und hören, wie eine namenlose Frau telefoniert. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist der ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Werner Kopfmüller

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