Eine Prise Glück

Zum Tod des Musicalkomponisten und Textdichters Stephen Sondheim

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Mrs. Lovett liebt Fleischpasteten. Aber nicht irgendwelche. Sie bevorzugt die mythische Variante.

Wie Tantalos, der die Götter prüfen wollte, als er ihnen seinen Sohn Pelops zum Mittagsmahl servierte, wie Atreus, der die  Söhne des Thyestes schlachtete, damit er sie seinem Bruder kredenzen konnte, so verfrachtet auch die Londoner Geschäftsfrau all jene Leichen, die ihr Sweeney Todd zugeführt hat (und mit dem sie eine folie à deux verbindet, ein genuin tiefromantischer, jedoch ins Perverse neigender Liebeswahn), einige Stunden in den Ofen, bevor sie als fein zerhacktes Menschenfleisch in den Mägen ihrer Kunden landen. Das Schöne daran: Zwei Fliegen sind mit einer Klappe geschlagen. Der Barbier hat seine Rache, die «Bäckerin» den Verdienst.

Als dieser schaurige Stoff, von Stephen Sondheim zu einem makabren, zugleich tiefschürfenden Musical-Thriller vertont, 1979 im New Yorker Uris Theatre herauskam, war die Begeisterung einhellig. Da war ein Werk in der Welt, bei dem alles stimmte: die Geschichte mit all ihren sadomasochistischen Fantasien und Grand guignol-gleichen Absurditäten, die Mischung aus Slapstick und absurder Erotik (hinter der sich das große Verlangen nach Nähe verbarg) ...

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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten

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