Ein Leuchten, so silbern

Reinoud Van Mechelen brilliert mit Arien von Rameaus Lieblingssänger Jéliote

Opernwelt - Logo

Im Zeichen von Diversität und Queerness erobern Altisten gleichsam als moderne Vertreter der barocken Kastraten das heutige Theater. Der Hype um sie ist enorm. Demgegenüber hat ein anderes, gleichfalls wiedergewonnenes Fach das Nachsehen: der Haute-Contre.

Dieser hohe Tenor, der die französische Opernbühne von Lully bis Gluck beherrschte und mit seiner Bruststimme oder der voix-mixte mühelos bis zum zweigestrichenen «d» reicht, ist weniger exzentrisch als der falsettierende Countertenor, sein Repertoire begrenzter und zumindest außerhalb Frankreichs weniger verbreitet als das der italienischen Opera seria. Vergleichbar Außergewöhnliches wie die Altisten aber leisten die französischen Haute-Contres allemal; Cyril Auvity oder Mathias Vidal haben dies in zahlreichen Gesamtaufnahmen von Opern Lullys und Rameaus demonstriert.

Zu ihnen gesellt sich seit einigen Jahren auch Reinoud Van Mechelen. Seine flexible, elegant geführte, in der Höhe sichere Stimme verfügt über das herb klagende, bläserhafte Timbre einer Oboe, die für das französische Musiktheater unerlässliche deklamatorische Prägnanz, eindringliche Farben und, en passant, auch die Koloraturvirtuosität eines Belcantisten.

In den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Am Abgrund

Auch fünfzig Jahre nach Patrice Chéreaus grunderschütterndem Bayreuther «Ring» vermag Wagners Tetralogie noch zu verstören, zumal, wenn sie so illusionslos nüchtern in einer Ästhetik des Hässlichen daherkommt, wie jetzt in Stephan Kimmigs «Rheingold»-Neuinszenierung. Kimmig entzaubert die Szene, rückt den Figuren gleichsam mit dem psychischen Nacktscanner zu Leibe...

Es werde Licht

Eine «ungewöhnliche Entdeckungsreise», die nach einer neuen Antwort auf die alte Frage sucht, was Musik eigentlich sei, ob sie sich selbst zum Gegenstand werden kann, also jenseits ihrer technischen Analyse wie ihrer emotionalen Wirkung einen «verborgenen Sinn» besitzt, den sie uns mitteilen will, verspricht Laurenz Lütteken den Lesern seines jüngsten, der...

Heilige Familie

Von «rinascimento», von Wiedergeburt ist in Bergamo nach den finsteren Monaten der Corona-Epidemie viel die Rede, und den überbordenden, sich über zehn Stadtkilometer erstreckenden Lichtinstallationen wurde in diesem Jahr die Aufgabe zuteil, nicht nur Stimmung für Weihnachten zu machen, sondern sogar «das Geheimnis des Lebens» durchdringlich zu machen.

So nimmt,...