Alles giert nach Wirkung
Die inzwischen fast zwei Jahre andauernde Corona-Pandemie hat für die Musiktheater Italiens zwei Trends verschärft, die sie vorher noch ein wenig aus der Ferne wahrgenommen hatten. Vor der Pandemie schien das allmähliche Altern des Publikums und das Abbröckeln der Nachfrage ein Problem, das man jedoch glaubte, vor allem mit Mitteln der Spielplanpolitik, lösen zu können. Nachdem die Theater wieder voll besetzt werden dürfen, sind indessen viele der früheren Zuhörerinnen und Zuhörer nicht zurückgekehrt. Berichtet wird von Einbrüchen von zehn bis 40 Prozent.
Gleichzeitig ist es einfacher geworden, die Produktionen den Menschen per Streaming nahezubringen, und die Theater haben entdeckt, dass es für solche Angebote eine Nachfrage gibt.
In seiner Saisoneröffnung am 7. Dezember hat das Teatro alla Scala nun medial wie ästhetisch Konsequenzen gezogen. Verdis «Macbeth» wurde analog für das Publikum im Saal gegeben, parallel gab es Versionen speziell für die international angebotene Fernsehübertragung und digitale Medien. Im Saal waren mit sieben Aufführungen bis zu 14.000 Leute zu erreichen. Die Fernsehübertragung wurde am Premierenabend allein in Italien von mehr als zwei Millionen ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Klaus Georg Koch
Als es an deutschen Opernhäusern noch einen Repertoirebetrieb gab, in dem es üblich war, dass prominente Sängerinnen und Sänger nur an ein, zwei Abenden gastierten, da stellten sich manchmal – trotz kurzer Einweisungsproben – musikalische Sternstunden ein. Etwa wenn die Sopranistin Júlia Várady in den Achtzigern und Neunzigern in Hamburg in einer schon damals in...
Als «duftiges Amalgam» der Bestandteile des Opéra-comique-Prinzips hat Ulrich Schreiber Jules Massenets Oper «Manon» einmal bezeichnet. Was darin mitschwingt: Da setzt sich auf einer szenisch-musikalischen Ebene etwas in einer Ästhetik der Flüchtigkeit, der Momentaufnahmen zusammen: Die Oper, so könnte man es interpretieren, wird zum Film.
Peter Carp muss das...
Wenn man am Fuß der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen steht, fragt man sich, wie jemand auf die Idee kommen kann, da hinaufzuklettern. 1.800 Meter senkrechter Fels. Und Eis. Weshalb man überhaupt klettert, erklärt Eduard Rainer im Stück. Es gehe darum, die Schwerkraft zu besiegen, zu schweben, den Boden zu verlassen, kein Mensch mehr zu sein. «Der Mensch ist...
